WIEFELSTEDE - Der kalte, scharfe Wind lässt die reifen Eicheln nur so purzeln. Die Schafe lieben die Dinger, also halten sie an und stopfen sich voll. Manchmal grunzen sie dabei wie die Schweine, sagt Schafzüchter Stefan Rose, der das nicht immer gut findet. Denn die Futterorgie verzögert seinen Marsch. Mit 1200 seiner Tiere hat er auf dem Weg von Norddeich nach Grethem bei Walsrode am Mittwochabend Wiefelstede erreicht zu Fuß. Seine Herde übernachtete an der Straße Feldtange, kurz vor dem Hauptort.
In der Sommersaison ist Rose Deichschäfer in Norddeich. Nun ist die Saison vorbei und um das Geld für einen Lkw-Transport zu sparen, ist Rose bereits zum vierten mal die 300 Kilometer nach Grethem zu Fuß mit seinen Tieren unterwegs. Am vergangenen Mittwoch war er in Norddeich gestartet. Er hofft, um den 3. November herum zu Hause zu sein.
Fünf Hunde halten ihm ebenso die Herde zusammen wie sein Mitarbeiter Thilo Fleischer Hobbyzüchter Friedrich Schütz, der auch mal mitwandern wollte.
Stefan Rose mag den Weg durchs Ammerland, der ihn an diesem Donnerstag nach Südende und später weiter ins Ipwegermoor führen wird. Von dort geht es nach Huntebrück, wo die 1200 Tiere die Huntebrücke queren werden und dann weiter in den Landkreis Oldenburg und dann an Bremen vorbei. Im Ammerland sind die Menschen, denen wir begegnen, wirklich nett, sagt Rose, der es in anderen Regionen manchmal auch mit unfreundlichen und ungeduldigen Autofahrern zu tun hat, wenn die Herde mal eine Straße queren muss. Insgesamt nutzt die Herde Feldwege und kleine Straßen. Rose hatte die Strecke zuvor mit dem Auto abgefahren und noch nie so viel Mais gesehen wie in diesem Jahr. Der Schafzüchter ist unterwegs auf Weiden angewiesen, wo seine Tiere vornehmlich Schwarzkopf- und Bergschafe sowie Suffolk auch fressen und ruhen können, wie eben am Mittwochabend vor Wiefelstede. Unterwegs benötigen die Tiere kein zusätzliches Futter und auch kein Wasser, weiß der Wanderschäfer, der abends, wenn die Herde ihren Platz gefunden hat, meist um 9 Uhr im Bett liegt, denn morgens geht es früh raus: Spätestens um 9.30 Uhr soll die Herde an diesem Donnerstag wieder in Bewegung sein auf dem Weg nach Südende.
