WIEFELSTEDE - Mit Farino bestritt der Pferdeliebhaber seine ersten Wettkämpfe. Das Tier erhält heute sein Gnadenbrot bei Berthold Bol.
von anja rohde
WIEFELSTEDE - „Ich habe einfach aufs Pferd gesetzt“, war sich Berthold Bol sicher, dass er sich bei den Deutschen Meisterschaften des Vereins Deutscher Distanzreiter und -fahrer (VDD) in der Gemeinde Edemissen gut platzieren würde. Im Vergleich zu 2005 hat sich Bol in diesem September sogar verbessert: Er stieg das Siegertreppchen vom dritten auf den zweiten Platz empor.Bis auf sieben Minuten sei er an die Erstplatzierte Christina Böker heran gekommen. „Dann hat die Vernunft gesiegt und ich bin langsamer gefahren“, weiß Bol, was er seinem Pferd Lion King auf dieser 90 Kilometer langen Strecke zumuten konnte.
Das Distanzfahren ist Bols Disziplin. Seit 1987 begeistert er sich für diesen Sport. Und überhaupt, die Pferde: „Sie sind meine Lieblingstiere. Das muss in den Genen liegen. Schon mein Großvater ist Traber gefahren“, sagt Bol.
Geboren in Cappeln, aufgewachsen auf dem landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern, ist er mit Pferden groß geworden. „Ich bin von meinem achten bis zu meinem 18. Lebensjahr geritten, dann jahrelang nicht mehr und bin mit meinem 40. Lebensjahr wieder angefangen“, berichtet Bol. Die Kinder seien aus dem Haus gewesen und seine Frau und er seien von Oldenburg nach Wiefelstede „aufs Land“ gezogen, nennt er zwei Gründe für die wiedererwachte Freude am Reitsport.
Mit dem Hengst Farino, „meinem alten Herrn“, so Bol, hat er seine erste Deutsche Meisterschaft im Jahr 1988 gewonnen. Farino, der anfangs vor Zebrastreifen und Holzbrücken scheute, ließ sich von Bol führen. „Da war ein großes Vertrauen da“, sagt Bol. Er hängt sehr an Farino und spricht mit Rührung von ihm. Den Gedanken daran, dass er das in die Jahre gekommene Tier verlieren könnte, schiebt er beiseite.
Insgesamt fünf Pferde besitzt Bol, alles Traber. „Es sind die ehrlichsten Pferde. Sie haben keine Zicken, sind verkehrssicher“, erläutert der kaufmännische Angestellte, warum er gerade sie so schätzt.
Die meisten von ihnen haben eine Vergangenheit als Rennpferde. Darum wartet der 60-Jährige mindestens ein Jahr, bevor er mit ihnen anfängt zu arbeiten und die Tiere an den Sulky gewöhnt. „Sie müssen den Kopf frei kriegen“, erklärt er.
