WIEFELSTEDE - Kinder gelten oft als Bremsklotz für die Karriere. Viele Frauen machen die leidige Erfahrung, dass die Idee der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Chefetage an ihre Grenzen stößt. Aber das muss nicht so sein, wie das Beispiel von Heide Martens bei der Molkerei Ammerland eG in Wiefelstede/Dringenburg zeigt. Im Juni 2007 wurde die Chefsekretärin Mutter, im kommenden Herbst steigt sie zur Leiterin der Abteilung Rechnungswesen und Finanzen auf, wie Geschäftsführer Sönke Voss mit deutlicher Anerkennung für die Leistungen seiner Mitarbeiterin verkündet.

Drei Monate war Martens nach der Geburt ihrer Tochter aus dem Berufsleben ausgeschieden, zurzeit arbeitet sie halbtags. „Mit der neuen Stelle bin ich dann wieder Vollzeit beschäftigt. Wir können das ganz gut organisieren, weil mein Mann mit seinem Schichtdienst in einer Druckerei in Oldenburg um 14 Uhr fertig ist. Dann kann er Lea von der Tagesmutter abholen“, sagt die 38-Jährige.

Grundstein für den Aufstieg ist aber nicht nur die günstige familiäre Situation, sondern vor allem die Qualifikation von Heide Martens. Nach ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau bei der damaligen Jade-Molkerei, die 1999 mit fünf Werken zur heutigen Molkerei Ammerland fusionierte, absolvierte sie neben der Arbeit in Abend- und Wochenendekursen die Fortbildungen zur Finanzbuchhalterin und zur Bilanzbuchhalterin. Bis zum Wechsel ins Chefsekretariat Anfang 2005 durchlief sie bei der Molkerei Ammerland alle Verwaltungsabteilungen, von der Buchhaltung bis zur Verkaufsabrechnung. „Dadurch kennt sie jeden im Hause und weiß immer, wie man an die wichtigen Informationen kommt“, beschreibt Voss als bekennender „Freund von Kontinuität“ die Vorzüge der langen Betriebzugehörigkeit seiner Chefsekretärin. „Frau Martens weiß immer, wer zuständig ist. Und wenn niemand zuständig ist, kümmert sie sich selbst“, sagt er.

Zu den wichtigen Aufgaben im Vorzimmer der Genossenschaft mit 2100 Mitgliedern gehören neben Terminabsprachen mit Vorstand, Aufsichtsrat, Verbänden und Besuchern das umfangreiche Berichtswesen sowie die Reisekostenabrechnungen. Beispielsweise stellt Martens für das Kraftfahrtbundesamt die Daten über die Fahrten zusammen, mit denen die 16 LKW der Molkerei bei den Mitgliedsbetrieben in 80 Kilometern Umkreis die Milch einsammeln. Reiseaufwendungen fallen vor allem für die sieben Vertriebsmitarbeiter an, die den Käse aus dem Ammerland in 38 Ländern verkaufen, darunter Italien, Portugal und Spanien.

Im vergangenen Jahr wurden in den beiden Werken in Dringenburg und Oldenburg 850 Millionen Kilogramm Milch zu Käse (70 Prozent), Butter, Industrie- und Frischprodukten verarbeitet. Die tägliche Käse-Produktion entspreche sieben LKW-Ladungen, gibt Voss einen Eindruck. Der Verlockung kann Heide Martens, die in ihrer Freizeit gerne Fahrrad fährt, relativ gut widerstehen. Ihren wöchentlichen Käse-Verzehr schätzt sie auf 500 Gramm, lediglich 70 Gramm mehr als sich laut Voss der deutsche Durchschnittsverbraucher schmecken lässt.