WIESBADEN - Die deutschen Exporte leiden unter dem starken Euro. Im September legten die Ausfuhren nur noch um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu – das war das geringste Plus seit zweieinhalb Jahren, berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden. Insgesamt wurden Waren im Wert von 81,8 Milliarden Euro ins Ausland verkauft. Der Absatz in Länder außerhalb Europas (Drittländer) sank um 4,6 Prozent, während alle anderen Regionen Zuwächse verzeichneten.

Im Berichtsmonat September war der Euro erstmals über die Marke von 1,42 US-Dollar geklettert. Mittlerweile stieg er über 1,47 Dollar. Ein starker Euro verteuert deutsche Waren im außereuropäischen Ausland und verringert die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. „Der Währungskurs hinterlässt erste Kratzer in der Außenhandelsbilanz“, sagte Ökonom Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

In den ersten neun Monaten blieben die Exportzuwächse mit 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr im zweistelligen Bereich. Das ist nicht viel weniger als 2006, als die Ausfuhren im Gesamtjahr um 13,7 Prozent zugelegt hatten.

Aus Sorge vor den negativen Folgen der Euro-Aufwertung hat sich die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag mit ungewöhnlich starken Worten besorgt gezeigt. „Brutale Bewegungen sind niemals willkommen“, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Die Konjunktur leide unter dem Euro und den hohen Ölpreisen. Die Märkte blieben weitgehend unbeeindruckt. Die Marke von 1,50 Dollar scheint für den Euro nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

„Nur die EZB kann im Moment als Wellenbrecher dienen“, sagt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler. „Einer muss ja laut schreien und sagen, dass es jetzt richtig weh tut.“


2004 hatte diese Strategie Erfolg: Damals hatte Trichet mehrfach die Wechselkursentwicklung als „unwillkommen“ und „brutal“ bezeichnet und schließlich den Höhenflug der europäischen Währung gestoppt – damals bei 1,30 Dollar.