Lohne - Der Geflügelfleisch-Marktführer PHW (Wiesenhof) hat in sein neues Zentrallabor in Lohne zwei Millionen Euro investiert. Das Labor sei nach dem verheerenden Brand eines Geflügelschlachthofes der Unternehmensgruppe im vergangenen Jahr in der Stadt ein Bekenntnis zum Standort Lohne, sagte PHW-Vorstandsvorsitzender Peter Wesjohann am Freitag. „Nur wenige Lebensmittelhersteller verfügen über ein eigenes Zentrallabor“, sagte der Unternehmenschef.
Am 28. März vergangenen Jahres brannte wenige Meter vom neuen Labor-Standort entfernt der Schlachthof der PHW-Tochter Oldenburger Geflügelspezialitäten zu großen Teilen nieder. Der Neuaufbau des Schlachthofes läuft. Wesjohann sagte, er hoffe, dass Anfang 2018 der neue Betrieb starten könne.
In Niedersachsen beschäftigt PHW 2700 Mitarbeiter, davon allein 1000 in Lohne. Die 24 Labormitarbeiter nehmen rund 600 Analysen pro Tag vor und ziehen Proben aus frischem Fleisch, aus Fertiggerichten und und Tiefkühlprodukten. Bereits seit 1990 betreibt die PHW-Gruppe ein eigenes Zentrallabor. Das neue Labor ist mit rund 1100 Quadratmetern nun gut doppelt so groß wie das bisherige. Die Bauzeit betrug nach Unternehmensangaben gut acht Monate.
NWZ, 29.03.2016: Großbrand zerstört Wiesenhof-Halle in Lohne
Der große Vorteil eines eigenen Labors liege darin, schneller Analyse-Ergebnisse zu bekommen, sagte der Leiter der Einrichtung, Jan Bernd Barhorst. Neben mikrobiologischen Untersuchungen werden auch Tests zur Lagerfähigkeit oder auf Antibiotika-Rückstände beim Geflügel der anliefernden 1000 Partner-Landwirte gemacht.
Auch die Überprüfung der Hygienestandards der einzelnen Produktionsstandorte gehört zu den Aufgaben des Labors. Eine behördliche Akkreditierung stelle sicher, dass das Labor wie eine unabhängige Einrichtung arbeite.
Die Zahl der Analysen habe sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, sagte Barhorst. Im vergangenen Jahr wurden 42 000 Proben untersucht und 210 000 Analysen durchgeführt. Allein die Zahl der mikrobiologischen Untersuchungen sei im vergangenen Jahr um 6 Prozent auf 180 000 gestiegen.
In der Vergangenheit stand Wiesenhof oft in der Kritik von Tierschützern, die die Haltungsbedingungen der verarbeiteten Tiere anprangerten. Inzwischen hat Wiesenhof auch eine Produktlinie, die mit dem Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes gekennzeichnet ist. Für die Stadt Lohne sagte Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer (CDU), angesichts der oft emotional geführten Debatten über die moderne Landwirtschaft und Tierwohl sei es bemerkenswert, dass der Fleischproduzent im Oldenburger Münsterland bleibe.
