Hohenkirchen - Die Jägerschaft im Wangerland blickt besorgt auf aktuelle Entwicklungen – und konnte dennoch ganz unbeschwert im Hotel „Dorf Wangerland“ in Hohenkirchen ihren traditionellen Ball feiern. Rund 170 Jäger und Freunde der Jägerschaft feierten auf Einladung des Hegerings Wangerland bis in die frühen Morgenstunden.
Hegeringleiter Karl-Heinrich Müller (Kopperburg) betonte in seiner Begrüßung, dass die Hegeringe angesichts der Novellierung des Landes-Jagdgesetzes alles tun werden, dass die Niederwildjagd erhalten bleibt. Im neuen Jagdgesetz, das 2015 erwartet wird, geht es unter anderem um Einschränkungen für die Jagd auf Gänse und Enten in Schutzgebieten und die Verkürzung der Jagdzeiten.
Auch die Rückkehr des Wolfs sprach Müller an: „Der Wolf kommt. Er breitet sich immer mehr nach Westen aus. Die Population wächst“, berichtete er. Es gelte, in der Diskussion um Bestände und Jagd nicht den Naturschutzorganisationen das Feld zu überlassen.
Zugleich rief er dazu auf, artgerechte Lebensräume für das Wild zu erhalten und neu zu schaffen: „Wir benötigen mehr Rückzugsgebiete und Flächen für die Tier- und Pflanzenwelt“, betonte Müller. Er appellierte an die Landwirte, gemeinsam mit den Jägern Blühstreifen und Ackerrandstreifen anzulegen und „nicht bis in die hinterste Ecke oder bis an den Grabenrand auszumähen“. „Durch Ortskenntnis und Kreativität lassen sich die Lebensräume in der Agrarlandschaft strukturreicher gestalten – unser Wild, aber auch Schmetterlinge, Bienen und Singvögel werden es uns danken“, betonte er.
Für die Jäger des Wangerlands habe das Jagdjahr viele Unsicherheiten bereitgehalten, berichtete Müller: So sei nicht klar gewesen, ob Treibjagden auf Hase und Fasan wegen des schwachen Besatzes überhaupt stattfinden können. Die Hasenbesätze erwiesen sich dann doch als höher als erwartet, doch viele Fasanenjagden fielen aus. „Unsere Fasanenbestände machen uns große Sorgen: Vor allem hat sich die Anzahl der Hennen in den vergangenen zwei bis drei Jahren so dezimiert, dass die Hennen kaum Nachwuchs groß bekommen“, berichtete Müller.
Auf Landesebene wird seit mehreren Jahren nach den Ursachen für den Rückgang bei den Fasanen geforscht.
Insgesamt seien zwar keine Spitzenstrecken erzielt worden, aber die Wildbestände im Wangerland seien mit ruhigem Gewissen und Vorsicht durchaus bejagbar, sagte Müller mit Blick auf Rehwild, Fuchs, Enten, Tauben und Raubwild.
Allerdings sei der Fallwildanteil beim Rehwild mit knapp 60 Prozent deutlich zu hoch: „Wir müssen früher in den Bestand eingreifen“, betonte Müller.
Neben Hegemaßnahmen und Jagd haben die Wangerländer Jäger im vergangenen Jahr einiges an naturpädagogischer Arbeit geleistet: Ferienpassaktionen unter dem Motto „Mit dem Jäger ins Revier“ und Nistkastenbau seien bei den Kindern gut angekommen.
Leider laufe die Kooperation mit den Grundschulen Hohenkirchen und Tettens zurzeit nicht besonders. Vor Jahren hatte der Hegering dort Vitrinen mit Informationen und Tierpräparaten aufgestellt, die müssten nun abgebaut werden, bedauerte Müller.
Er dankte insbesondere Elimar Becker und Dirk Müller für die Organisation des Balls sowie Iddem und Wiebke Müller für die Tischdekoration und den Geschäftsleuten aus Jever und dem Wangerland für die Tombola-Preise.
Bevor die Tanzkapelle Roundabout aus Oldenburg auf die Tanzfläche lud, sorgte das Jagdhornbläserkorps Wangerland unter Leitung von Gerold Lauts für jagdliche Klänge. Die Bläser spielten mit „Jagdhornecho“, „Hirschmarsch“, „Auf, auf zum fröhlichen Jagen“ und „Lützows wilde Jagd“ anspruchsvolle – und sehr wohlklingende – Stücke.
