Friesoythe - Wild lebende Katzen im Kreis Cloppenburg vermehren sich ungebremst. „Pro Tag melden sich 10 bis 15 Leute bei uns, die wild lebende Katzen abgeben möchten“, schildert Dr. Veronika Tholen, zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Friesoythe und Umgebung. „Das ist ein Riesenproblem.“
In den vergangenen Jahren mussten im Tierheim in Sedelsberg rund 400 Katzen abgelehnt werden, weil die Kapazitätsgrenze erreicht ist. Platz ist eigentlich für 30 Katzen, durchschnittlich leben dort aber 80. „Wir haben keinen Platz mehr und können das finanziell auch nicht leisten“, sagt Dr. Tholen. Denn alleine die Kastrationskosten für die Tiere, die im Tierheim aufgenommen werden, lägen bei 100 Euro für eine weibliche Katze, bei 60 Euro für ein männliches Tier. Zudem seien die wild lebenden Tiere häufig von Krankheiten und Parasiten befallen und müssten behandelt werden.
Tiere gehen ein
Die wilden Katzen nehmen die Tierschützer eigentlich auch nicht auf. „Die Freiheit gewohnten Tiere können nicht in Gefangenschaft leben, viele gehen ein, wenn sie eingesperrt sind“, schildert Dr. Tholen. Wie aber der Katzenschwemme im Landkreis Herr werden?
Der Tierschutzverein Friesoythe und Umgebung hat im vergangenen Jahr und im April/Mai dieses Jahres Aktionen durchgeführt, in denen die Helfer die „Streuner“ eingefangen, kastriert und wieder laufen gelassen haben. Diese Aktionen waren finanziell unterstützt worden durch Zuschüsse des Deutschen Tierschutzbundes und Spenden von ehrenamtlichen Helfern. Ab dem kommenden Jahr wollen die Ehrenamtlichen weitere Aktionen durchführen, um die Katzenschwemme einzudämmen.
Für diese Aktionen war sogar eigens ein Katzenkastrationsfonds gegründet worden, der allerdings noch nicht so gefüllt ist, dass daraus die Aktion finanziert werden könnte. Deshalb wird der Landkreis Cloppenburg einmalig 6500 Euro zahlen, um die Kastrationsaktion mitzufinanzieren. Das jedenfalls hat der Ausschuss für Planung und Umwelt am Donnerstagabend dem Kreistag zum Beschluss empfohlen. Mit dem Geld könnten 70 bis 80 Tiere kastriert werden.
Talsperre ein Problem
Herrenlose Katzen seien vor allem im Bereich der Thülsfelder Talsperre ein Problem, bestätigt Dr. Veronika Tholen. Besucher würden ihre Katzen zurücklassen, diese vermehrten sich. „Dort haben wir schon sehr viele Tiere wegfangen und kastrieren können“, so Tholen, ausreichen würde das aber noch lange nicht. Die wilden, oft ausgehungerten Tiere würden hartnäckig auch in Gärten auf Fressen warten. Nur nicht füttern, rät Tierärztin Tholen. „Geltendes Recht in Deutschland ist: Wer die Katzen füttert, ist auch für sie verantwortlich.“
