Auswirkungen auf Flora und Fauna werden wissenschaftlich untersucht

Die Wisentherde des Eleonorenwaldes ist ein wissenschaftlicher Versuch, die einst in ganz Europa verbreiteten Wildrinder so natürlich wie möglich zu halten und zu erforschen, wie sich die Tiere auf die Fauna und Flora eines zusammenhängenden Waldstückes auswirken. Dass die 2006 ausgewilderte Herde sich in dem 1000 Hektar großen Waldarreal inzwischen heimisch fühlt, steht außer Frage, seit jetzt bereits drei Kälber geboren sind.

Wissenschaftlich betreut wird das vom niedersächsischen Umweltministerium geförderte Auswilderungsprojekt von Biologen der Universität Osnabrück.

Die Grundbesitzerin des eingezäunten Waldgebietes im Eleonorenwald, das sowohl zu Vrees, Neuvrees und Markhausen gehört und in dem die Wisentherde lebt, ist die Arenberg-Meppen GmbH.

Das Gelände ist als Jagdgatter eingezäunt und kann von der Öffentlichkeit nur in Planwagen besucht werden.


Die Wisentherde im Eleonorenwald wächst. Problemlos ist ihre Haltung im Jagdgatter nicht. Fragen dazu an Forstdirektor Winfried Frölich, Geschäftsführer der Arenberg-Meppen GmbH.

Von Thomas Haselier

Frage: Herr Frölich, der kleinen Wisentherde scheint es ja prächtig zu gehen. Bald wird es wohl eine große sein . . .

Frölich: . . . das ist ja auch so vorgesehen. Die Wissenschaftler wollen irgendwann einmal laut Planung eine Herde von bis zu 25 Tieren haben, wie sie früher typisch war. Dies ist vertraglich mit dem Umweltministerium so vereinbart. Davon sind wir mit unseren jetzt sieben Tieren noch ein bisschen entfernt. Andererseits sind im Laufe des letzten Monats zwei weibliche Kälber gesetzt worden, so dass der Bestand sich nach 2,5 Jahren schon fast verdoppelt hat. Das erste Kuhkalb soll „Arena“ heißen, das zweite ist noch unbenannt.

Frage: So ganz unglücklich sind Sie darüber nicht, dass die Zahl noch überschaubar ist, oder?

Frölich: So würde ich das nicht sagen. Unter Forschungsgesichtspunkten ist ein möglichst natürlicher Zustand am besten. Das wäre wohl eine Herde von mehr als 20 Tieren. Ich muss dieses Projekt aber auch unter forstwirtschaftlichen Aspekten sehen. Wir, die Arenberg-Meppen GmbH, bewirtschaften den Eleonorenwald als wesentlichen Teil unseres Forstbetriebes. Zwar wussten wir, dass wir auch mit gewissen Schäden rechnen müssen, jedoch sind wir nicht davon ausgegangen, dass sie so gravierend sein würden.

Frage: Um was für Schäden handelt es sich?

Frölich: Die Herde hält nicht nur, wie gewünscht, durch Grasen Freiflächen offen, sondern schält in zunehmendem Maße auch die Rinde von Bäumen. Auf diese Weise wurde bereits ein kleines Wäldchen mit den einzigen Mehlbeerbäumen des Eleonorenwaldes von den Tieren komplett entrindet, die Bäume sind alle abgestorben. Leider suchen sich die Wisente bevorzugt die seltenen Laubbäume aus. Der weit über 100 Jahre alte Eichenwald „Langelt“ innerhalb des Jagdgatters, der als Flora-Fauna-Habitat als besonders schutzwürdig angesehen wird, ist zwar noch nicht in seiner Existenz gefährdet, aber schon angegriffen.

Frage: Und wenn die Herde stark wächst, wächst auch das Zerstörungspotenzial.

Frölich: Das ist zu befürchten.

Frage: Das Land leistet doch für solche Schäden einen Ausgleich . . .

Frölich: . . . keinen Ausgleich für Schäden, sondern lediglich einen kleinen Zuschuss für die Instandhaltung des Gatters.

Frage: Es gibt von Seiten der anliegenden Gemeinden immer wieder Anstöße, das bisher unzugängliche Gehege für die Öffentlichkeit zu öffnen. Halten Sie das für möglich?

Frölich: Das halte ich nach bisherigen Erfahrungen für völlig undenkbar. Die Anstöße kommen übrigens nur aus einer einzigen Ortschaft, die Menschen im Stadtgebiet Friesoythe sind schon sehr einsichtig. Speziell der fast siebenjährige Bulle „Spenax“ ist unberechenbar und manchmal aggressiv. Seine Kraftmeierei, gelegentlich Hochsitze und Holzstapel umzustoßen, kann man ja noch mit Humor betrachten. Aber die Tiere haben keine natürliche Scheu gegenüber Menschen, weil sie aus Zoos stammen. Sie haben einen unterentwickelten Fluchttrieb. Wenn sie sich gestört fühlen, greifen sie Menschen an, das steht fest. Unsere Förster und Forstarbeiter haben das bereits mehrfach erlebt. Wer will denn dafür die Verantwortung übernehmen, wenn das Gelände frei zugänglich wird? Ein bis zu einer Tonne schwerer Wisentbulle ist kein Schoßtier.

Frage: Mit gut 1000 Hektar ist das Jagdgatter das größte Wisentgehege Deutschlands mit „frei“ lebenden Tieren. Da bestehen doch wenig Chancen, den Wildrindern überhaupt zu begegnen.

Frölich: Es mag sein, dass die Chance – ich würde eher von einem Risiko sprechen – nicht sehr groß ist. Aber es ist vorhanden und wächst, je größer die Herde wird. Speziell in der Brunftzeit und in der Säuge- und Aufzuchtphase ist ein Betreten des Gatterreviers, wissenschaftlich ein Semireservat, völlig ausgeschlossen. Das sieht im übrigen auch das Umweltministerium in Hannover so, für das der Schutz der Bevölkerung oberste Priorität hat.

„Ein bis zu

einer Tonne

schwerer

Wisentbulle

ist kein

Schoßtier“