WILDESHAUSEN - Sie blickt auf ihre Uhr. Mitternacht ist gerade vorbei. Jetzt geht es langsam in den Sonntag hinein. Doris Angele-Linder führt das Hotel Huntetal zusammen mit ihrem Mann Armin schon seit Januar 1994 in der Kreisstadt. Und sie ist froh: Nicht nur weil das Hotel schon so lange gut von den Gästen angenommen wird, sondern auch, weil sie gerade die aufgelaufenen Büroarbeiten am PC erledigt hat. Das ist zwar ungeliebte Arbeit, aber notwendig. Am Abend werden auch schon die Rechnungen für die am nächsten Tag Abreisenden geschrieben. Ohne das Schriftliche geht es eben nicht.
Feierabend ist aber erst, wenn die feiernden Hotelgäste im Tagungsraum ihre Kohlfahrt beendet haben. Mitglieder des Niedersächsischen Fußballverbandes Weser-Ems haben sich einquartiert. „Der Kohlkönig ist Georg Winter aus Wildeshausen“, so die Hotelinhaberin. Nach dem Kohlgang und Besichtigung verschiedener Sehenswürdigkeiten kehrte die Kohlgesellschaft zum Essen ein. Ein Großteil von ihnen übernachtet auch.
Doris Angele-Linder geht in den Restaurantbereich. Hinter der Theke steht Lena Friebel. Sie reinigt Weingläser. Die Tür zum Tagesraum öffnet sich. Sascha Gruschke kommt mit einer neuen Bestellung herein. Beide gehören zum Servicepersonal des Hotels Huntetal.
„Ein Hotel führen ist oft dann Arbeit, wenn andere ausgelassen feiern. Ganz so spät wie heute Nacht wird es in der Regel aber nicht“, erklärt Doris Angele-Linder. „In der Woche gehen die Geschäftszeiten bis 23 oder 24 Uhr. Danach ist hier Ruhe im Hause bis morgens um 6.30 Uhr. Dann muss schon wie-der das Frühstück für unsere Gäste stehen. Wir sagen aber auch keinem Gast, jetzt ist Schluss. Du musst nach Hause gehen.“
Das Frühstück richtet Ehemann Armin an. Er ist Küchenchef. Um 5 Uhr heißt es für ihn aufstehen, um alles rechtzeitig und zur Zufriedenheit der Gäste auftischen lassen zu können. Das heißt auch für das Personal, nach einer Feier alle Räumlichkeiten gesäubert und neu eingedeckt zu haben. Das kann bis zu anderthalb Stunden dauern.
Oft reisen Hotelgäste am späten Abend an. „Ein Nachtportier lohnt sich hier bei uns aber dennoch nicht. Wir sind in Wildeshausen und nicht in Hamburg. Außerdem stehen die Ankunftszeiten meist über eine Vorbestellung fest.“
Viele Gäste aus Skandinavien gehören zum Stamm der Kundschaft. „Oftmals sind es ältere Herrschaft, die aus Norwegen kommen und zu ihren Häusern in Spanien oder Südfrankreich fahren. Wir liegen günstig an der A1. Hier wird Station gemacht.“ Auch kommt schon seit 15 Jahren ein englisches Ehepaar immer wieder auf ihrem Weg von England nach Dänemark ins Hotel Huntetal. „Deren Familie lebt in Dänemark. Wenn sie nicht mit ihrem Boot fahren und das eigene Auto nutzen, ist hier ein Zwischenstopp angesagt“, so die Hoteliersfrau. Hotelgäste aus dem Ruhrgebiet sind ein weiterer Schwerpunkt bei den Übernachtungsbuchungen.
„Und oft genug sind es die fremden Gäste, die aus verschiedenen Gründen die Weiterfahrt unterbrechen.“ Dazu zählte auch eine Familie aus dem Norden, die mit drei Kindern unterwegs war. Plötzlich wurde einem der Kinder schlecht und es musste sich übergeben. Unglücklicherweise verteilte sich das Erbrochene im ganzen Fahrzeug. Die Familie wusste sich nicht zu helfen und steuerte das Hotel an.
Auf dem Zimmer konnte sich die Familie erholen und draußen den Wagen reinigen. „Wir haben das beschmutzte Zeug über Nacht gewaschen, getrocknet und zum Tragen wieder hergerichtet. Somit konnten die Reisenden am nächsten Tag ihre Fahrt fortsetzten“, so Angele-Linder. Service, der im Hause als selbstverständlich angesehen wird.
