WILDESHAUSEN - Gerichtsvollzieher besuchen Schuldner in ihren Wohnungen und pfänden mit dem „Kuckuck“ Gegenstände wie Fernseher oder Kommode. So würden wohl auch heute noch viele das Berufsbild des „Gerichtsvollziehers“ beschreiben.
Inzwischen hat es sich jedoch sehr stark gewandelt. „Es gibt heute viele Pfändungsbeschränkungen“, sagt der Gerichtsvollzieher Martin Gertje. Dazu gehört inzwischen der Fernseher, Möbel, die täglich gebraucht werden, und auch das Auto, wenn es für den Weg zur Arbeit genutzt wird.
Martin Gertje ist mit seinen Kollegen Rudi Schwarzer und Uwe Ahlhorn Gerichtsvollzieher am Amtsgericht Wildeshausen. Zusammen decken sie auch Harpstedt, Großenkneten und Dötlingen ab.
Sie werden immer dann tätig, wenn ein Gläubiger mit einem „vollstreckungsfähigen Titel“ den Auftrag dazu gibt. Ein solcher „Titel“ ist eine Urkunde, mit der das Gericht bescheinigt, dass dem Gläubiger eine bestimmte Summe zusteht. Dabei könne es sich um wenige Euros handeln oder auch um Hunderttausende, erklärt Uwe Ahlhorn.
Zunächst fordern die Gerichtsvollzieher dann den Betrag beim Schuldner ein. Zahlt er auch dann noch nicht seine Schulden, kommt es zur Pfändung von Gegenständen. „Das wird aber immer weniger, weil es zu kostenintensiv und aufwändig ist“, sagt Rudi Schwarzer. Wenn die Forderungen auch dann noch nicht beglichen werden können, wird das Gehalt des Schuldners gepfändet. Im schlimmsten Fall droht ihm die Eidesstattliche Versicherung, die früher auch als „Offenbarungseid“ bezeichnet wurde.
Sehr oft würden die Schulden jedoch auch gleich beim ersten Eintreffen der Gerichtsvollzieher beglichen, meint Uwe Ahlhorn. Die Schulden resultierten oft aus offenen Handwerkerrechnungen. Inzwischen forderten jedoch immer mehr Telefonanbieter ausstehende Zahlungen ein.
Neben Geldforderungen nehmen die Gerichtsvollzieher auch Zwangsräumungen von Wohnungen vor oder „Kindswegnahmen“, bei denen sie nach einer Scheidung ein Kind dem Sorgeberechtigten überbringen. „Das ist immer sehr emotional“, räumt Schwarzer ein.
Insgesamt ist er aber sehr zufrieden mit seinem Beruf. „Es gibt keinen besseren“, lächelt er. Es gebe zwar einige Familien, bei denen sie regelmäßig zu Besuch seien. Die positiven Seiten würden aber überwiegen.
