WILDESHAUSEN - Die Wildeshauserin Tomke möchte ihren Freund Onno heiraten. Wegen fehlender Rechtsgrundlagen geht das aber nicht. Nicht einmal ein Stammbuch gibt es. Tomke findet schließlich heraus, dass ihre Vorfahrin auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde und seitdem ein Fluch auf ihre Familie lastet. Diesen Fluch gilt es nun mittels der verschiedensten Aufgaben aufzuheben. Das ist – in groben Zügen – der Inhalt des Spiels „Wild Wedding Wildeshausen“, das im Zuge eines ganz besonderen beruflichen Orientierungsprojekts entstanden ist.
Die Initiative dazu kam von der Fachstelle Sucht der Diakonie, die vor eineinhalb Jahren an den Landkreis herantrat, der wiederum die Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) mit der Umsetzung betraute. In eigens angemieteten Räumen der Düngstruper Straße tüfteln seit acht Monaten 15 Teilnehmer mit verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen daran, das Wildeshausen-Spiel aufs Brett bzw. auf den PC zu bringen und so zurück ins Berufsleben zu finden. „Ein großes Lob gebührt unseren beiden Fachanleitern Markus Lanfer und Thorsten Kollmann, von deren Kompetenz das Projekt lebt“, betonte Hans Deimann, Leiter der LEB Bildungsstätte Zwischenahn, bei der Präsentation am Freitag.
Klarer Kopf nötig
Bei den Teilnehmern handelt es sich vorwiegend um Männer zwischen 22 und 58 Jahren, von denen viele abhängig von Alkohol oder anderen Drogen sind. „Unser Ziel ist es natürlich, diese Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, aber das ist erst der zweite Schritt. Im ersten Schritt müssen sie zunächst fit werden dafür, und das ist ein langer Weg“, erläuterte Ludger Sieverding, Teamleiter vom Jobcenter des Landkreises. Eine jahre- oder jahrzehntelange Sucht koste sehr viel Geld, und deshalb sei es durchaus sinnvoll, in Projekte wie das aktuelle zu investieren. „Gerade die jungen Leute erreichen wir sonst sehr schlecht“, so Sieverding.
„Unser Grundansatz war es, die Teilnehmer aus der Rolle des passiven Konsumenten zu holen und zum aktiven Produzenten zu machen“, erläuterte Kollmann. Sowohl bei der Erstellung des Brettspiels mit seinen zahlreichen geschichtsträchtigen Aufgaben als auch bei der Konzeption des PC-Spiels sei den meisten Projektteilnehmern schnell klar geworden, dass man dafür einen klaren Kopf brauche. Keiner von den Teilnehmern habe sich vorher mit Programmierung ausgekannt, aber jetzt sei das Nachbauen prägender Gebäude am PC, das Belegen mit Textur oder die Animation für alle eine Perspektive geworden. Nicht zuletzt das strukturierte Arbeiten im Team werde die Teilnehmer weiterbringen.
„Finde Deinen Weg“
Die Erfolge bestärken die Organisatoren. Ein Teilnehmer, ein jahrzehntelang Alkoholabhängiger, habe sich – bestärkt durch das Projekt – in stationäre Therapie begeben; einen anderen, der eine Trennung und viele Schulden mit sich herumgeschleppt habe, habe man recht zügig in einen Job vermitteln können, erzählt Lanfer.
Während das Brettspiel in einer ersten Auflage von 30 Exemplaren bereits fertig ist, arbeitet die Gruppe derzeit mit Hochdruck an den technischen Finessen der PC-Variante „Tomkes World ... finde Deinen Weg“. Spätestens zum Ende des Projekts am 30. September soll es auf einigen Levels möglich sein, dem Drachen über dem Pestruper Moor auszuweichen oder den Kristall in der Krypta der Alexanderkirche zu finden.
Schön für die Teilnehmer wäre es natürlich, die Spiele irgendwann zu vermarkten, aber bis dahin bleiben noch einige rechtliche Fragen zu klären. Schließlich dürfen bei einem gemeinnützigen Projekt keine Gewinne erwirtschaftet werden. Aber auch an diesem Problem werde mit Hochdruck gearbeitet, so Deimann und Sieverding.
