Wildeshausen/Aumühle - Die „Visbeker Braut“ ist in die Jahre gekommen. Von einem „unterdurchschnittlichen Unterhaltungszustand“ spricht ein Gutachten über das Gaststättengebäude an der B 213 in Aumühle direkt an der Anschlussstelle Wildeshausen-West der A 1 und sieht erhebliche Instandhaltungsdefizite. Trotz der Querelen der vergangenen Jahre und dem Quasi-Zusammenbruch einer geordneten Gastronomie hat die Braut ihren Reiz jedoch nicht komplett verloren. Bei der Zwangsversteigerung am Dienstagmorgen im Wildeshauser Amtsgericht wetteiferten gleich mehrere Männer um die Gunst des Zuschlags. Schließlich machte Cord Naber aus Kirchhatten das Rennen. Er ersteigerte für die Firma Koopmann Kraftfahrzeuge GmbH & Co. KG sowohl das Gebäude der Gaststätte mit 2526 Quadratmetern Grundstück als auch die benachbarte Fläche von 3009 Quadratmetern mit Schießhalle und Gartenhaus. Dafür zahlt er insgesamt 217 000 Euro und damit mehr als den Verkehrswert (zusammen 200 000 Euro).
Gegenüber der NWZ zeigte sich Naber über den Zuschlag sehr erfreut. „Wir haben einige Ideen“, sagte der 46-Jährige zur künftigen Nutzung, ohne nähere Auskünfte geben zu wollen. Ihm sei es um den Standort gegangen, den man in der Zukunft nutzen wolle. Einen Zusammenhang mit den Planungen der Stadt Wildeshausen für das Gewerbe- und Industriegebiet Wildeshausen-West verneinte er auf Nachfrage. Zunächst soll aufgeräumt und dann investiert werden, kündigte er an.
Koopmann Kraftfahrzeuge gibt es seit 1927. Neben dem Stammsitz in Kirchhatten ist das Unternehmen in Wildeshausen (Ottostraße), Delmenhorst, Stuhr, Wiefelstede und Verden vertreten. Zur Pkw- und Lkw-Werkstatt mit 24-Stunden-Erreichbarkeit gehören auch Abschleppdienst, eigene Vermietflotte von rund 100 Nutzfahrzeugen, Autokran- und Pannendienst.
Eine Möglichkeit zur Nutzung des Areals wäre das Anknüpfen an die Vergangenheit. Jahrzehntelang hatten Werner und Miroslawa Bahrs das Rasthaus betrieben und neben Ausflüglern viele Lkw-Fahrer zur Stammkundschaft gezählt. Nacht für Nacht standen bis zu 35 Lkw auf dem Parkplatz.
Um diese einst florierenden wirtschaftlichen Zeiten ist es am Dienstag im Amtsgericht nicht mehr gegangen, sondern um das defizitäre finanzielle Ende. Als Hauptgläubiger trat die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) auf. Daneben gab es kleinere, gerade mal vierstellige Summen von Stadt und Land (Finanzamt), die ausstanden.
Im vollen Saal 2 des Amtsgerichtes ging es zunächst um die Gaststätte mit einer Nutzfläche von 495 Quadratmeter, 1925 gebaut, 1972 an- und umgebaut, und eine Gesamtgrundstücksgröße von 2526 Quadratmetern. Der Verkehrswert lag bei 165 000 Euro. Cord Naber legte mit 90 000 Euro das erste Gebot vor. Edelhard Brinkmann, Chef der Güllebank Weser-Ems, verblüffte mit seinem Gebot von 90 001 Euro. Noch mehrfach setzte er jeweils einen Euro dazu. Nach dem Wildeshauser Karsten Scheele stieg bei 120 000 Euro auch noch Jan-August Muhle (Contrail-Transport, Siedenbögen/Visbek) ein. Letztlich erhielt Naber für 150 000 Euro den Zuschlag.
Nach einer Pause folgte der zweite Termin für das 3009 Quadratmeter große Grundstück nebenan, auf dem Schießstand (ehemals des Schützenvereins Steinloge) und Gartenhaus stehen. Hier lieferten sich erneut Naber und Scheele ein Bieterduell, nur zwischendurch einmal durch ein 18 000-Euro-Gebot des Wildeshauser-PiratenRatsherren Uwe Bock unterbrochen. Mit 67 000 Euro erhielt Naber auch hier den Zuschlag. Der Verkehrswert lag bei 35 000 Euro.
Unter den Zuhörern waren weitere Ratsmitglieder und die Vorsitzende der Tierschutzgruppe Oldenburg-Land, Anne Grafe-Weibrecht. Die Tierschützer hatten sich nach NWZ-Informationen die „Visbeker Braut“ als Areal für ein Tierheim vorstellen können.
