Wildeshausen/Aumühle - Im politischen Gerangel um das geplante Industriegebiet Wildeshausen-West hat Unternehmer Karsten Scheele einen Punktsieg erzielt. Die Stadt Wildeshausen wird ihr Vorkaufsrecht für ein 1500 Quadratmeter großes Grundstück (Flurstück 77), das der Schützenverein Steinloge an Scheele verkauft hat, nicht wahrnehmen. Das entschied der Verwaltungsausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung, wie Thomas Eilers, Allgemeiner Vertreter von Bürgermeister Jens Kuraschinski, auf NWZ-Anfrage bestätigte.
Scheele, Inhaber der gleichnamigen Abbruch- und Sandabbaufirma, hat im Bereich der Autobahn-Auffahrt Wildeshausen-West eine 21 Hektar große Fläche erworben, um eine Nachfolgelösung für seine Sandgrube in Glane zu haben. Das 1500 Quadratmeter große Grundstück soll als Ausgleichsfläche genutzt werden.
Noch vor kurzer Zeit hatte die Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend machen wollen. Da es sich um eine „wesentliche Änderung“ der Beschlusslage handelte, kam der Verwaltungsausschuss am Montagabend zu einer Sondersitzung zusammen. „Es ging letztendlich um die Frage der Projektentwicklung“, erklärte Eilers. Er räumte ein, dass die Sitzung in der Sommerpause „recht ungewöhnlich“ sei.
Derweil halten die Proteste gegen das geplante Industrie- und Gewerbegebiet an. Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Steinloge haben (wie berichtet) am Freitag ihre Einwendungen zur Änderung des Flächennutzungsplans überreicht. Kritik kommt von der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems (BSH) sowie der Nabu-Ortsgruppe Dötlingen-Wildeshausen, die als anerkannte Träger öffentlicher Belange nicht – wie normalerweise üblich – offiziell um eine Stellungnahme gebeten wurden. Wie Eilers der NWZ sagte, soll nun eine einwöchige Fristverlängerung geprüft werden. Offiziell endete die Frist für Einwendungen am Montag.
Im Bereich Aumühle, dem potenziellen Bereich des Industriegebietes, stehen am Dienstag, 21. August, zwei Zwangsvollstreckungen an. Das Gaststättengebäude der „Visbeker Braut“ mit der Adresse Aumühle 80 kommt um 9 Uhr im Amtsgericht Wildeshausen unter den Hammer (Az.: 9 K6/17), wie eine Sprecherin des Gerichts bestätigte. Laut Ausschreibung hat das Grundstück (Flur 25, Flurstück 73) eine Größe von rund 2500 Quadratmetern und wird auf einen Verkehrswert von 165 000 Euro taxiert.
Am 10.30 Uhr wird im Amtsgericht das Grundstück Aumühle 79 (Flurstück 75) versteigert. Auf der rund 3000 Quadratmeter großen Fläche liegt die Schützenhalle (Az.: 9 K22/17). Gebäude und Freifläche werden mit 35 000 Euro taxiert.
Bereits im Jahr 2003 hatte sich die Stadt Wildeshausen für die Flurstücke im Gebiet des geplanten Industriegebietes per Satzung ein Vorkaufsrecht zugebilligt. In der Sitzung des Verwaltungsausschusses am Montag waren die Grundstücke kein Thema, berichtete Eilers.
