Wildeshausen/Bookholzberg - Der Kreis Oldenburg greift im Fall der Seniorenresidenz „Atrium am Wall“ in Wildeshausen, in der mittlerweile zwei Bewohner infolge einer Corona-Infektion gestorben sind, durch: Das Gesundheitsamt entschied, die Einrichtung teilweise zu evakuieren. 15 negativ auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestete Bewohner wurden am Donnerstag in das neue Gästehaus des Berufsförderungswerkes Weser-Ems (BfW) in Bookholzberg verlegt.
Die Transporte erfolgen per Bus und mit Unterstützung der Rettungsdienste. „Im BfW werden die Senioren weiter unter Quarantäne gestellt und in Einzelzimmern untergebracht. Alle Vorkehrungen für eine umfängliche Pflege wurden getroffen“, teilte ein Sprecher des Kreises mit. Die Pflege übernehmen zunächst negativ getestete Pflegekräfte der Seniorenresidenz.
Zur Kontrolle des Infektionsstatus waren Bewohner und Mitarbeiter am Mittwoch erneut getestet worden. Das Ergebnis war nach den Worten des Kreissprechers „ernüchternd“: Von 26 getesteten Bewohnern sind zwölf positiv – also infiziert. Diese Bewohner verbleiben in der Einrichtung. Die 14 negativ getesteten Bewohner sowie ein Mann, der sich im Krankenhaus aufhielt, wurden verlegt. Damit wurde inzwischen bei 35 von 51 Bewohnern das Virus nachgewiesen, sagte Kreissprecher Oliver Galeotti. Von den rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind 24 infiziert. Acht weitere Mitarbeiter, die am Mittwoch nicht im Pflegeheim angetroffen wurden, sollten am Donnerstag getestet werden. Das Ergebnis des Schnelltests stehe noch aus.
Der Kreis rügte die Einrichtung scharf: „Wir sahen uns gezwungen, so zu handeln“, erklärte Landrat Carsten Harings. „Die Vorgaben wurden durch die Einrichtung nicht umfänglich eingehalten.“ Das habe das Gesundheitsamt so nicht mehr verantworten können. Um die negativ getesteten Personen schützen zu können, wurden sie verlegt.
„Atrium“-Geschäftsführer Thomas Münch bestätigte, dass der Einrichtungsleiter freigestellt wurde. Er soll sich nach Berichten von Angehörigen noch am Sonntagabend ohne Maske und Schutzkleidung bei nichtinfizierten Bewohnern im Zimmer aufgehalten haben.
Bereits vergangene Woche starb im Wildeshauser Krankenhaus Johanneum ein infizierter 89-jähriger Delmenhorster, der in der Kurzzeitpflege des „Atrium“ betreut worden war. Am Montag erlag in der Seniorenresidenz ein ebenfalls 89-Jähriger der Lungenkrankheit.

