WILDESHAUSEN/BRETTORF - Die monatelang ausgebildeten Helfer hätten wenig Engagement gezeigt, sagt Landwirt Mahlstedt. Das EZN droht mit Leistungskürzungen.
Von Stefan Idel
WILDESHAUSEN/BRETTORF - Gerd Mahlstedt hält mit seinem Ärger nicht hinterm Berg: Die Spargelernte läuft auf Hochtouren, doch die vom Europazentrum Nordwest (EZN, Brettorf) vermittelten Erntehelfer lassen den Wildeshauser Landwirt im Stich. „Es ist eine absolute Katastrophe“, schimpft Mahlstedt. Ein vom EZN entsandter Helfer sei zwei halbe Tage gekommen, dann habe er sich krank gemeldet. Von vier Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren habe eine gleich am ersten Tag das Feld verlassen, die zweite habe drei Tage lang mehr schlecht als recht gearbeitet und eine weitere konnte den Job nicht antreten, weil sie sich den Fuß gebrochen habe. Selbst der Kontakt zur Arbeitsagentur habe sich nicht gelohnt: „Als die Arbeit nach dem langen Winter endlich losging, war der vom Arbeitsamt zugesagte Helfer telefonisch nicht erreichbar“, so Mahlstedt.EZN-Geschäftsführer Holger Wessels bestätigte auf NWZ -Anfrage die Probleme beim Erntehelfer-Projekt. „Wir können nicht verstehen, dass die Arbeitslosen zwar drei Monate zur Ausbildung kamen, aber viele von ihnen noch nicht einmal drei Tage auf dem Feld aushalten“, sagte Wessels. In dem Modell, das der Landkreis Oldenburg vor einigen Monaten noch als Weg weisend gepriesen hatte, waren 30 Frauen und Männer für die Tätigkeiten auf Spargel- und Erdbeerfeldern vorbereitet worden. „Am Freitag waren noch neun im Einsatz“, gestand Wessels ein.
Nach Angaben des EZN-Vorstands habe man aber auch nicht mit einem reibungslosen Einstieg in das Modell gerechnet, zumal es selbst von Seiten der Produzenten Vorurteile gebe. Erntehelfer, die ihre Arbeit kurzfristig geschmissen haben, müssten mit Leistungskürzungen rechnen, drohte Wessels.
Auch aus Sicht der CDU-Kreistagsfraktion, die sich kürzlich beim Dötlinger Spargelerzeuger Klaus Dieter Ulrich informierte, ist die Lage „unerträglich“ und „unfassbar“. Trotz der mehr als 5000 Arbeitslosen im Landkreis, könnten die Spargelerzeuger die vorgeschriebene Quote von zehn Prozent an Deutschen nicht bekommen. „Es hat sich noch kein Arbeitsamt und kein Jobcenter aus dem Landkreis mit mir in Verbindung gesetzt“, erklärte Ulrich gegenüber den Politikern.
Die CDU-Kreistagsfraktion will in einer Anfrage an Landrat Frank Eger nun wissen, wie sich die Situation aus Sicht der Kreisverwaltung darstellt und welche Bemühungen zur Vermittlung der Arbeitslosen unternommen werden. „Im nächsten Sozialausschuss muss dieses Thema öffentlich beraten werden“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzende Linda Vietor. Es müsse eine zufrieden stellende Lösung für Steuerzahler und Arbeitslose gefunden werden.
Spargelbauer Mahlstedt spricht dagegen von einem „grundsätzlichen Problem der deutschen Politik“, die die Erzeuger im Stich lasse. Der Holzhauser Landwirt hilft sich weiterhin selbst: Er hat nach eigenen Angaben derzeit 16 polnische Erntehelfer auf den Feldern im Einsatz.
