WILDESHAUSEN - In der Debatte um verunreinigte Futtermittel sind erstmals erhöhte Dioxinwerte in Schweinefleisch nachgewiesen worden. Hunderte Schweine mussten im Landkreis Verden getötet werden. „Die Verbraucher sind stark verunsichert“, sagt Andreas Tonn, 1. stellvertretender Obermeister der Fleischer-Innung in der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land. Dabei tue seine Branche alles, um den hohen Ansprüchen an die Qualität der Lebensmittel gerecht zu werden.
„Wir wissen, wo die Tiere herkommen“, erklärt der Wildeshauser Fleischermeister. Sein Betrieb sei froh, nicht auf externe, fremde Lieferanten angewiesen zu sein. Das Familienunternehmen Tonn hat eine eigene Schlachterei im Gewerbegebiet an der Düngstruper Straße. Dort wird auch für andere Betriebe geschlachtet, erläutert Seniorchef Siegfried Tonn. Derzeit würden wöchentlich rund 60 Schweine und zehn bis zwölf Bullen verarbeitet.
„Alle Tiere kommen aus der Region“, erklärt Andreas Tonn. „Wir kennen die Leute.“ Derzeit kämen die Schweine von den Höfen Beneke in Winkelsett, Plate in Garmhausen, Meiners in Ganderkesee und Schweers in Munderloh. „Da können wir jederzeit in den Stall gucken“, meint der 35-jährige Unternehmer, der derzeit amtierender Innungs-Obermeister ist, da für den alten Obermeister noch kein Nachfolger gefunden wurde.
Bereits unmittelbar zu Beginn der Dioxin-Debatte habe man sich von den Landwirten schriftlich bestätigen lassen, dass sie geprüfte „saubere“ Futtermittel beziehen. „Das teilen wir auch unseren Kunden im Geschäft mit“, so Tonn. Auch die Eier, die hier über die Ladentheke gehen, kämen von bekannten Höfen aus der Region. Jeder Weg werde dokumentiert.
Vielen Verbrauchern fehle einfach das Hintergrundwissen, meint Claudia Tonn. So wollte eine treue Kundin jüngst statt Hühnersuppe lieber Rindfleischsuppe kaufen. Sie fordert, das Thema Ernährung stärker im Schulunterricht zu behandeln. Und Siegfried Tonn ergänzt: „Die Landwirte haben höchste Auflagen zu erfüllen. Manche Kuhställe sehen – im Vergleich zu früher – aus wie Wohnzimmer.“
Eine spürbare Kaufzurückhaltung kann Tonn zwar nicht ausmachen. Das Thema werde aber die Innungsversammlung Anfang März beschäftigen. Der gute Ruf der Branche dürfe nicht unter den „schwarzen Schafen“ aus der Futtermittelindustrie leiden.
