WILDESHAUSEN - Schwungvoll öffnet Simone Kröger aus Wildeshausen die Haustür. „Hey, komm’ rein“, ruft sie mir gut gelaunt zu. Ich bin mit ihr zum Kochen verabredet, denn dafür hat Simone Kröger ein Händchen. Als Kandidatin der ZDF-Sendung „Die Küchenschlacht“ konnte man sie in dieser Woche jeden Nachmittag mit sechs anderen Hobbyköchen um die Wette brutzeln, braten und schnibbeln sehen.
Ihrer Küche sieht man es an, dass die schlanke Frau hier gern Zeit verbringt. Die Arbeitsplatte ist auf ihre Körpergröße angepasst, zahlreiche Kochbücher stehen in den Regalen und unzählige Gewürze und Kräuter sind griffbereit aufgereiht. „Wir kochen Erdnusshähnchen mit Pfannengemüse“, erklärt sie mir. „Lecker“, denke ich, frage mich aber, wie wir das in der Kürze der Zeit schaffen sollen.
Kampf mit Schweinefilet
Simone ist schnelles Kochen gewohnt, nicht nur weil ihre drei Töchter nach der Schule schnell etwas zu essen brauchen, sondern auch, weil sie im TV-Format auf Zeit kochen musste. 35 Minuten haben die Kandidaten, um ihr Gericht fertig anzurichten, das den Juror – ein täglich wechselnder Sternekoch – dazu bewegt, sie eine Runde weiter zu schicken. Dafür hat die gelernte Hotelfachfrau in dieser Woche einiges aufgetischt: Sie startete am Montag mit Sushi, beeindruckte Dienstag mit einer Speck-Pfannkuchen-Rolle, überraschte am Mittwoch mit gebratenem Zander an Safranrisotto und mariniertem Fenchel und kämpfte am Freitag um den Sieg mit lackiertem Schweinefilet und lauwarmen Schokoladenkuchen.
Am Donnerstag brachte sie Juror Kolja Kleeberg mit Erdnuss-Hähnchen mit Mungobohnen zum Schwärmen. Ob ich genauso schwärme, werden wir jetzt ausprobieren.
Zu Beginn zeigt mir Simone, wie man richtig Reis kocht. Man merkt, dass die Hobbyköchin in der Vergangenheit einige Kochkurse gegeben hat, denn sie erklärt genau und langsam, worauf es beim Reiskochen ankommt: Bevor sie den Reis kocht, wäscht sie ihn, „damit die Stärke rauskommt.“ Danach wird er mit einem daumenbreit Wasser abgedeckt und auf den Herd gestellt. Kurz aufkochen und ruhen lassen, erklärt sie. Nach dem Reis kümmern wir uns um die Hähnchenbrust. Kröger salzt das Fleisch und bedeckt es mit Sojasauce.
Die Zutaten hat sie alle im Haus, in der TV-Show musste sie vorher angeben, was sie für ihre Gerichte braucht und das wurde dann von der Produktion eingekauft. „Kurz vor der Aufzeichnung sind wir ins Studio gegangen und haben kontrolliert, ob alles da ist“, erinnert sich die 40-Jährige.
Wir widmen uns dem Gemüse. Die blonde Frau drückt mir zwei Paprikaschoten, Messer und einen Sparschäler in die Hand. Verwundert schau ich sie an. „Die Paprika muss gewachsen, geschnitten und geschält werden. Viele Leute mögen Paprika nicht, weil sie davon aufstoßen müssen. Das liegt an der unverdaulichen Schale, und die entfernen wir jetzt“, erklärt sie mir. Gleichzeitig schneidet sie die Frühlingszwiebeln und beginnt mit der Sauce. Dazu reicht sie mir einen Löffel Erdnussbutter. „Probier’ mal“, fordert sie mich auf. Die zähe Paste schmeckt mehlig und zäh. „In der Sauce ist Erdnussbutter der Knaller“, meint Kröger. Ich lass’ mich überraschen. Fertig mit der Paprika wirft Kröger Frühlingszwiebeln, Paprika und Mongobohnen in eine Pfanne und brät das Gemüse leicht an. Das Fleisch hat sie mittlerweile ebenfalls kurz angebraten. „Es ist wichtig, dass Fleisch nur einmal gewendet wird. Mehr will es gar nicht“, sagt sie.
Das Rezept mit dem Erdnusshähnchen hat sie beim Chinesen in Spanien entdeckt. „Ich schaue überall nach Ideen und probiere sie aus“, erklärt sie. „Oft kreiere ich so ganz neue Rezepte.“
Kröger holt sich die Anregungen auch aus TV-Kochshows. Ihr Faible führte sie in die Kochshow. Während sie erzählt, hat sie die ganze Zeit ihre Töpfe und Pfannen im Auge. Plötzlich greift sie sich den Zucker und streut ihn über das Gemüse. „Der karamellisiert. Das glänzt dann schön“, verrät sie. „Das sind also die Tricks der Profis“, sage ich und erinnere mich an mein letztes Pfannengemüse, das nur wenig glänzte. Daneben blubbert die Sauce in der Pfanne, in der die Hobbyköchin auch das Fleisch zubereitet hat. Sie hat Erdnussbutter, Frischkäse und Gemüsefond verrührt. Mit Honig und Salz wird nun abgeschmeckt.
Dazu nutzt Kröger eine ganz besondere Technik. Mit einem Löffel taucht sie in die Sauce und lässt diese auf einen zweiten Löffel tropfen, von dem sie probiert. „Dadurch gelangen die Enzyme auf der Zunge, nicht in die Sauce und sie gelingt“, erklärt sie. Ich dachte eigentlich, das wäre nur eine Angelegenheit der Hygiene. Routiniert arbeitet sie Schritt für Schritt ab. „Ich habe die Gerichte im Vorfeld der Küchenschlacht bestimmt 8000 mal gekocht“, erinnert sie sich an ihre Vorbereitungen.
Familie fiebert mit
Rund 20 Minuten nachdem wir den Reis angesetzt haben, hebt Kröger das erste Mal wieder den Deckel. „Fertig“, sagt sie strahlend. Ich bin verblüfft. Sie richtet die Teller an: Der Reis wird auf die eine Hälfte des Tellers verteilt. „Eine Zeit lang hat man den Reis ja gestürzt, also in eine Form gebracht, das macht man gar nicht mehr“, erklärt sie und richtet zu Ende an. Zu Hause fiebert ihre Familie mit. „Meine Tante aus Bremen kommt jeden Mittag, um mitzuschauen“, erzählt sie lachend. Gemeinsam sitzen sie dann vor dem Fernseher und schauen Simone beim Brutzeln zu.
Es ist angerichtet: Das Essen sieht toll aus und schmeckt wirklich gut. „Das hätte ich alleine nicht hinbekommen, obwohl es gar nicht so schwer war“, erzähle ich Simone. Sie freut sich und verrät ganz am Rande: „Ich hab’ übrigens die Küchenschlacht auch gewonnen.“ Für Simone Kröger heißt das, dass sie sich von fünf Sterneköchen als VIP-Gast bei „Lanz kocht“ verwöhnen lassen darf. „Darauf freue ich mich sehr“, sagt sie.
