WILDESHAUSEN - Beim Jubel sprang er einen halben Meter über den Boden, dann drückte er als erstes seine Kinder Jan-Ole (9) und Jule (7): „Das ist der reine Wahnsinn“, freute sich Uwe Reinking. Der 41-jährige Maschinenbau-Ingenieur ist seit Dienstagabend neuer König der Wildeshauser Schützengilde. Erstmals wurde der Wettbewerb an der neuen Vogelstange im Krandel ausgeschossen.

Bei hochsommerlichen Temperaturen war ein starkes Regiment – 2610 Schwarzbefrackte, Musiker und Offiziere – zum Königsschießen ausmarschiert. Im Krandel erfreuten sich Tausende an den idealen Bedingungen. Erstmals wurde der Papagoy über eine Monitorwand gezeigt, damit die Zuschauer das Königsschießen besser verfolgen konnten. Doch wie im Vorjahr, als die Drehleiter der Feuerwehr „streikte“, verzögerte sich auch diesmal der Beginn des Wettbewerbs. Karl-August Kolhoff vom Schießausschuss sprach von „technischen Problemen“.

Insgesamt 44 Königsanwärter traten dann in den Schießstand. In sechs Gruppen wurde geschossen. Im Vorkampf setzten sich Ralf Bahrs (48), Burghard Thomalla (39), Norbert Kramer (50), Reinking, Malte Hoffrogge (37) und Marten Spörel (43) durch. Runde sechs dauerte länger als erwartet. Der Papagoy fiel, doch zuvor war unüberhörbar das „Stopp-Zeichen“ erschallt. Also wurde die letzte Runde wiederholt. Spörel setzte sich beim Umschießen gegen Wolfgang („Matze“) Hensch durch.

Wie viele Schüsse er genau abgegeben hatte, konnte Reinking nicht mehr genau sagen, als die Gratulanten auf ihn zuliefen. „Vielleicht sieben oder acht.“ Besonders freute sich Otto Flege, selbst Mitglied der Königskompanie, mit der neuen Majestät. „Wir sind Arbeitskollegen und arbeiten zusammen in Bremen“, rief Flege in den Jubel der Zuschauer. Vorjahressieger Jens-Christian Senger überreichte der neuen Majestät die weiße Fliege und weiße Handschuhe. Dank eifriger Übungsstunden verlief das Hochleben in der Sänfte problemlos.

Reinking, seit 1989 Mitglied der Gilde, hat bereits im vergangenen Jahr um den Titel gekämpft. Damals musste er sich im Stechen Senger geschlagen geben. 2007 war es sein erster Anlauf zum Titel. Uwe Reinking ist mit Heike, geb. Sigmann, verheiratet. Er marschierte bislang mit der Kompanie Westertor aus. Hunderte jubelten dem neuen König beim Einmarsch in die Innenstadt zu. Und wie bei der Steubenparade in New York prasselte Konfetti auf den neuen König der Gilde nieder.