Wildeshausen/Hude - Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) steckt nach Informationen unserer Zeitung in Zahlungsschwierigkeiten. Diverse Sparten des eingetragenen Vereins sollen betroffen sein. Das DRK hat Ortsvereine in Ganderkesee, Harpstedt, Hude, Wardenburg und Wildeshausen.
DRK-Kreisgeschäftsführer Michael Venzke bestätigte auf NWZ-Anfrage die Zahlungsschwierigkeiten. „Im Rahmen der Sanierung des Kreisverbandes arbeiten wir an einem Lösungsweg“, so Venzke. Wie groß der finanzielle Engpass ist, wollte der Geschäftsführer nicht sagen. Vehement widersprach er Gerüchten, der DRK-Kreisverband stünde vor einer Insolvenz. „Dann würden wir sofort aus dem Vereinsregister gelöscht.“ Der finanzielle Engpass sei in keinster Weise existenzbedrohend. Die Gremien des DRK seien entsprechend informiert worden. „Wir wollen die Lücke zeitnah schließen“, betonte Venzke, „und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung“. Eingebunden wurde auch der DRK-Landesverband Oldenburg, der Unterstützung zugesichert habe.
Töchter nicht betroffen
Betroffen ist nach Auskunft des DRK-Kreisgeschäftsführers lediglich der Verein, zu dem auch das Mehrgenerationenhaus in Wildeshausen gehöre. Nicht betroffen seien die drei Tochtergesellschaften des DRK-Kreisverbandes, also das Seniorenzentrum in Harpstedt, das Zentrum für Integration und Bildung (ZIB) sowie die Betreuungsdienste Oldenburg-Land.
Erst im Spätsommer vergangenen Jahres hatten der DRK-Kreisverband und der Landkreis Oldenburg ihre Auseinandersetzung über fehlerhafte Abrechnungen im Rettungsdienst beigelegt und eine entsprechende Vereinbarung getroffen.
Zum Hintergrund: Der Landkreis hatte nach Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten beim DRK-Kreisverband im Jahr 2015 den Rettungsdienst-Vertrag mit dem DRK gekündigt. Das Rote Kreuz soll den Kreis um eine Summe von 300 000 bis 500 000 Euro geprellt haben. Diese Zahlen nannten seinerzeit sowohl Landrat Carsten Harings als auch der damalige DRK-Landespräsident Dieter Holzapfel. Der DRK-Landesverband schaltete damals eine externe Wirtschaftsprüfung zur Aufarbeitung des Skandals ein. Außerdem wurden alle Monatsabschlüsse im fraglichen Zeitraum dem Landkreis zur Prüfung vorgelegt. Der damalige DRK-Kreisgeschäftsführer musste gehen.
Schlussstrich gezogen
Wie seinerzeit der Landkreis erläuterte, wurde ein Schlussstrich unter die zivilrechtliche Auseinandersetzung gezogen. Einen Abschlag von 300 000 Euro habe das DRK schon vor knapp drei Jahren überwiesen. Es stand im Herbst 2018 noch „eine fünfstellige Summe“ aus. Eine erste Rate habe das DRK überwiesen; zwei weitere Raten an den Kreis sollten in den folgenden zwei Jahren fällig werden, hieß es damals. Nach Informationen unserer Zeitung wurde der Landkreis über die aktuellen Zahlungsschwierigkeiten des DRK informiert.
