Wildeshausen - „Die Nachfrage ist einfach nicht da“, sagt Abi Bianchi vom Eiscafé Italia an der Westerstraße. Die Rede ist von der Bezahlung mit der Girokarte. In dem Café wird deshalb nur Bares angenommen. Dabei wird bargeldloses Bezahlen immer wichtiger; die elektronischen Bezahlvorgänge nehmen zu.
Abi Bianchi vermutet einen Grund für die fehlende Nachfrage nach Kartenzahlung: „Wir kriegen ja immer Trinkgeld.“ Mit Karte sei das nicht so gut möglich. Außerdem dauere der Bezahlvorgang dann zu lang, vor allem am Außer-Haus-Fenster: „Die Warteschlange wird zu lang.“ Die Firma wolle also bei Bargeld bleiben.
Auch das Eiscafé Capri an derselben Straße kommt ohne elektronische Zahlung aus. „Wir haben viel zu viele kleine Beträge“, erzählt Inhaber Davide Caso, der ein zweites Eiscafé in Achim besitzt. Dort wurde die Kartenzahlung eingeführt. Das bereue er mittlerweile, denn die Gebühren seien immer noch nicht sehr attraktiv. Außerdem sei die Nachfrage nicht so groß wie gedacht. Daher sei die Einführung für das Eiscafé in Wildeshausen vorerst nicht geplant. „Wir müssen gucken, was die Zukunft bringt“, sagt Davide Caso.
Nur kleine Beträge
Etwas anders gestaltet sich die Lage in den Bäckereien Schnittker und Meyer. „Es war bisher noch nicht so im Gespräch“, sagt Christina Lüske, angestellt bei der Bäckerei Schnittker, aber es werde wohl bald kommen. „Die Nachfrage ist da, besonders zur Urlaubszeit.“
In der Bäckerei Meyer herrscht auch noch das Bargeld. „Wir haben ja meist Kleinbeträge“, so Chefin Petra Meyer, „und die Banken sind gleich um die Ecke.“ Wenn Kunden eine größere Vorbestellung aufgeben, erkundigen sich viele vorher nach den Bezahlmöglichkeiten. Wenn ab und zu dennoch einer nach Kartenzahlung fragt, vor allem Skandinavier, die hier Urlaub machen, sei es kein großer Umstand, noch kurz zur Bank zu gehen. „Bis jetzt war es kein Problem“, sagt Petra Meyer. „Wir haben uns aber schon mit dem Gedanken auseinandergesetzt.“ Irgendwann werde das papierlose Bezahlen hier eingeführt.
Einen Mittelweg gibt es im Kiosk Grossmann an der Huntestraße: Zahlungen mit der Girokarte ab 20 Euro. „Die Kosten decken sich dann erst“, erklärt Besitzer Axel Grossmann. Das Gerät, der Strom, die Transaktionen – alles kostet Geld, mit niedrigeren Zahlungen wird es für ihn zu teuer. „Das wird irgendwann vielleicht anders“, so Axel Grossmann. Aber noch lohne es sich nicht.
Zu hohe Gebühren
„Wir haben hier wenig größere Beträge“, sagt Claudia Olberding, Büroleiterin des Verkehrsbüros. Die Mitbringsel, die in der Tourist-Information im historischen Rathaus angeboten werden, können nur bar bezahlt werden. „Unter unserer Klientel ist das noch so üblich“, sagt Claudia Olberding. Auch die Gäste aus verschiedenen Ländern seien meist noch auf Bares eingestellt. „Ab und zu gibt es Nachfragen nach Kartenzahlung, aber Banken sind ja in der Nähe“, erzählt die Büroleiterin. „Die, die etwas kaufen wollen, kaufen auch“, ergänzt sie. Perspektivisch werde es sich aber auf jeden Fall ändern, wenn der Standort in die alte Feuerwehrwache verlegt werden sollte. „Dort sind wir dann technisch anders ausgerüstet“, sagt Olberding.
