WILDESHAUSEN - WILDESHAUSEN - Am 8. Mai 1945 endete offiziell der Zweite Weltkrieg. „Das ist ein Datum, das in persönlichen Lebensgeschichten seine Spuren hinterlassen hat. Auch in unserer Stadt Wildeshausen.“ Das sagte Pastorin Dörte Hartung gestern in der Alexanderkirche in einem Gottesdienst, den sie gemeinsam mit dem Wildeshauser Ortsverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge gestaltet hatte. Sie unterstrich, dass es wichtig sei, dieses Datum nicht zu vergessen. Aus diesem Grund kamen als Zeitzeugen zunächst Walter Dellwisch und Johannes Lenzschau sen. zu Wort. Die Wildeshauser schilderten die letzten Kriegstage in der Wittekindstadt: „Am 9. April brach eine schlimme Zeit an.“ Um 17 Uhr dröhnte Panzeralarm, ein fünfminütiger Heulton, durch Wildeshausen. „Viele Bürger verließen die Stadt“, berichteten Dellwisch und Lenzschau. Wildeshausen stand unter Beschuss, Brücken wurden gesprengt: „Es wurde acht Tage heftig gekämpft.“ Viele Häuser in der Innenstadt wurden von

Granaten getroffen. Der Turm der Alexanderkirche brannte und stürzte in sich zusammen. Am Ende der Woche zogen sich die deutschen Truppen zurück: „Es kehrte Ruhe ein. Die Bewohner kehrten zurück. Es wurde wieder aufgebaut. Seitdem haben wir Frieden – 60 Jahre schon. Und es möge immer so bleiben.“

Anschließend berichtete Gisela Ahlers aus Düngstrup vom Kriegsende aus Sicht eines Flüchtlings. Sie war 1920 in Pommern geboren worden. „Wohin man auch sah, alles lag in Trümmern.“ Es habe kein privates oder öffentliches Leben mehr gegeben. Hunger, Not und Elend hätten dominiert. „Für viele Menschen begann das Leid erst mit dem Ende des Krieges“, sagte Gisela Ahlers, die Heimat und Familie verloren hatte und sich wie ein „lästiger Flüchtling“ fühlte. Erst nach Jahren spürte die Vertriebene ihre Familie wieder auf. Heute sagt Gisela Ahlers: „Ich bin hier glücklich geworden. Es ist meine Heimat geworden. Ich hoffe, dass es meinen Kindern und Enkelkindern erspart bleibt, Flüchtling zu sein.“

Am Ehrenmal auf dem Burgberg legten im Anschluss an den Gottesdienst Bürgermeister Franz Duin und Ulrich Eggert, Vorsitzender des Wildeshauser Ortsverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, im Gedenken an das Kriegsende einen Kranz nieder.