Wildeshausen/Landkreis - Auf Bauernregeln zum Wetter kann Franz-Josef Dasenbrock getrost verzichten. „Es war keine drei Tage lang am Stück trocken“, fasst der Wildeshauser Ortslandvolk-Vorsitzende die Ernte-Einsätze in diesem Sommer zusammen. Der wechselhafte Sommer wirke sich massiv auf die Erntebilanz aus. Die Einbußen bezögen sich nicht nur auf die Getreidemenge, die die Landwirte pro Hektar ernten, sondern vor allem auf die Qualität. Dasenbrock: „Es wird eher eines der schwierigen Jahre für die Branche.“
Qualität nimmt bei zu viel Nässe ab
Ähnlich sieht es Bernhard Wolff, der Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Oldenburg. 80 Prozent der Getreideernte seien inzwischen eingefahren. Witterungsbedingt rechne der Verband mit einem eher durchschnittlichen Ergebnis. Der Weizenpreis sei leicht gesunken und liege bei 15 bis 16 Euro pro Doppelzentner. Auch das Stroh verliere an Qualität.
Wolff wie Dasenbrock wiesen im NWZ-Gespräch darauf hin, dass die Felder oft nur schwer zu befahren seien. Das bestätigte der Dötlinger Lohnunternehmer Reiner Spille: „Wir mussten die Flächen oft mehrfach anfahren.“ Auch nach dem Starkregen am Dienstagabend, mit teilweise 30 Litern pro Quadratmeter, habe er am Mittwoch umdisponieren müssen. Dank des großen Fuhrparks klappe die rasche Umplanung recht gut, so Spille. Andere Lohnunternehmer, die beispielsweise nur einen Mähdrescher haben, tun sich da deutlich schwerer, ihren Kunden gerecht zu werden.
Teilweise muss das Korn früh gedroschen werden
Zur Zeit der Gerste-Ernte sei das Wetter noch beständiger gewesen, weiß Dasenbrock. Auf sandigen Böden habe der Weizen ebenfalls recht gut gestanden. Andernorts, meist auf Lehmböden, sei der Weizen gerade erst reif oder keime aufgrund des Regenwetters schon wieder aus. „Die Ähre wird nicht mehr trocken“, so Dasenbrock. Einige Landwirte seien gezwungen, bei einer Kornfeuchte von 20 Prozent zu dreschen – sinnvoll seien 15 Prozent. Der Ernteeinsatz sei auch ein Stück Nervensache.
Eher durchschnittlich fielen nach Angaben des Kreislandvolks die Erträge beim Raps aus. Gut seien die Aussichten dagegen beim Mais. „Ihm tat die Nässe gut“, sagte Wolff. Ähnlich verhalte es sich bei den Kartoffeln. „Ab Mai musste in der Regel nicht mehr beregnet werden“, erklärte Dasenbrock. Sollte es zu nass werden, begünstige dies die gefürchtete Kartoffelfäule. Insofern greift doch die bekannte Bauernregel: „Sommerregen und Mehltau sind gute Freunde.“
