Wildeshausen - Mit Fassungslosigkeit und Unverständnis hat die UWG Wildeshausen auf die Entscheidung der Ratsmehrheit reagiert, den Weg für den Abriss der alten Lohgerberei in Wildeshausen zu ebnen. „Die Lohgerberei ist ein ganz wesentlicher Teil der Wildeshauser Stadtgeschichte“, so der UWG-Fraktionsvorsitzende Rainer Kolloge, „und es ist beschämend, wie die Ratsmehrheit hier mit unserer Geschichte und Tradition umgeht.“
Das Handwerk der Lohgerber sei zusammen mit dem Schuhmacherhandwerk über Jahrhunderte ein besonders bedeutender Wirtschaftszweig in Wildeshausen gewesen. Die letzte, noch vollständig im Original erhaltene Werkstatt sowie das dazugehörige Wohnhaus und zwei ebenfalls alte Nachbargebäude sollen nun einem großflächigen Neubau weichen. „Auch wenn das Gebäude der Lohgerberei zuletzt stark verfallen war und der Denkmalschutz aus diesem Grunde versagt wurde, hätten wir das Anwesen zur Wahrung unserer Tradition und auch als Tourismusziel erhalten müssen“, so der UWG-Ratsherr Thomas Johannes.
Die UWG erinnerte an ihren Vorschlag, dass die Stadt das Areal von den Erben der früheren Eigentümer erwirbt. Die nicht benötigten Gebäude sollten dann mit der Auflage, zumindest die Fassaden zu erhalten, wieder veräußert werden und der als Museum benötigte Komplex sollte kostengünstig, zum Beispiel über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, restauriert werden.
„Wir hätten auf diese Weise, ebenso wie bei dem Brennereimuseum, mittelfristig ein echtes Kleinod in unserer Stadt schaffen können“, meinte UWG-Ratsfrau Corinna Riedel-Seebacher. „Zusammen mit der Brennerei, der zum Urgeschichtlichen Zentrum ausgebauten alten Feuerwehr, dem historischen Elektrizitätswerk und der Alexanderkirche wäre am Huntetor ein tolles historisches Quartier entstanden.“
„Auch wenn jetzt einige Ratsmitglieder von CDU und SPD in der Öffentlichkeit ihr Bedauern über die Entscheidung äußern, hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, dass bei der Mehrheitsgruppe jemals der ernsthafte Wille vorhanden war, etwas für den Erhalt der Lohgerberei zu tun“, kritisierte Ratsherr Kolloge. „Man hat hier sehr gerne weitgehend hinter verschlossenen Türen entschieden und war froh, dass die Eigentümer am Ende offiziell nicht mehr verkaufen wollten. Für diejenigen Ratsmitglieder, die zugleich im Vorstand des Bürger- und Geschichtsvereins sitzen, ist das Ganze eigentlich nur peinlich.“
