WILDESHAUSEN - 52 Millionen Kisten werden pro Jahr ausgeliefert. Im Bereich Dienstleistungen expandiert das Wildeshauser Unternehmen weiter kräftig.

Von Stefan Idel

WILDESHAUSEN - Carsten Kohl saust mit seinem roten Kommissionärswagen zwischen Kistenwagen hindurch, als wolle er à la Schumi einen neuen Rundenrekord aufstellen. Innerhalb von Minuten muss in der riesigen Halle des Getränke-Großhändlers Nordmann Ware für Kunden zusammengestellt werden. Der Lastwagen wartet. „Pro Tag werden in den Hallen am Bargloyer Weg rund 160 000 Kisten bewegt“, weiß Ingo Böttjer, Geschäftsführer des Nordmann-Fachgroßhandels. Etwa 52 Millionen Kisten liefert das Unternehmen im Jahr aus. Ein logistisch fein justiertes Räderwerk muss täglich ineinander greifen.

Seit der Gründung im Jahr 1908 ist das Haus Nordmann auf Wachstumskurs. Den größten Schub gab es, als der inzwischen verstorbene Fritz Nordmann die Märkte in Ostdeutschland erschloss und unter anderem die Stralsunder Brauerei erwarb. Heute ist das Haus Nordmann in sechs Geschäftsfeldern aktiv. „Der Fachgroßhandel ist sicher noch das Basis-Geschäft“, meint Böttjer. Doch auch im Einzelhandel – etwa mit der Kette „Zisch“ – oder bei den zentralen Dienstleistungen expandiere man kräftig. So biete Nordmann sein Know-how für Gastronomiebetriebe an. „Ein Gastwirt ist heute eher ein Betriebswirt“, sagt der 34-jährige Manager.

Die 1200 Mitarbeiter des Hauses Nordmann, das nun in der vierten Generation von Fritz-Dieter, Oliver und Jürgen Nordmann geführt wird, sind daher in vielen Bereichen tätig. Am Standort Wildeshausen sind 120 Fachleute beschäftigt. Bundesweit hat die Gruppe inzwischen acht Standorte aufgebaut.

Mit der Investition in andere Geschäftsfelder wolle man vom „Saisongeschäft“ des Getränkemarkts unabhängiger werden, erläutert Böttjer. So kümmert sich Nordmann gemeinsam mit der Firma Lekkerland über die Gesellschaft GPC&C um die Belieferung von etwa 400 Tankstellen im Norden. Zugleich feilt man an einem neuen Getränke-Großmarktkonzept mit einer Verkaufsfläche von rund 1000 Quadratmetern. Die Marke „Zisch“ mit 40 Geschäften in Weser-Ems gilt hier quasi als Vorreiter. Böttjer: „Allein im Einzelhandel haben wir zuletzt rund 2,5 Millionen Euro investiert.“


Durch die Verunsicherung der Verbraucher in der Debatte um Einweg-Getränke, aber auch wegen eines guten Sommers, gilt das Jahr 2003 als eines der besten in der Firmengeschichte. Insgesamt lag der Umsatz der Haus Nordmann GmbH 2003 bei 385 Mio. Euro. Auch in diesem Jahr könnten Mehrweg-Lösungen (Böttjer: „Hier liegt unser Know-how“) einen neuen Schub erfahren. Denn Anfang Mai fallen die so genannten Insellösungen für Einwegflaschen. Auch logistisch ist Nordmann gut vorbereitet: In den Hallen am Bargloyer Weg werden gerade die Beton-Böden erneuert. Dann können die Wagen noch besser rollen.