Wildeshausen - Sie waren wieder da, doch jetzt sind sie schon wieder weg. 122 Diepholzer Moorschnucken beweideten seit dem dritten April-Wochenende die Heideflächen des Pestruper Gräberfeldes. Als Schäfer auf Zeit war wieder Detlef Helmers im Einsatz. Doch der ist jetzt erkrankt und wird bis Ende Mai ausfallen.

„Wir müssen die Schafe deshalb leider wieder abholen“, bestätigte am Donnerstag auf NWZ-Nachfrage Friedhelm Niemeyer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Der BUND-Experte kümmerte sich in den vergangenen Tagen selbst so gut es ging um die Schafe. Er fungiert als kommissarischer Verwalter des ehemaligen Schäferhofs Teerling, den Ende 2017 die „Heimat braucht Freunde gGbmH“ aus Wagenfeld übernommen hat. Hinter „Heimat braucht Freunde“ steht der BUND-Landesverband Niedersachsen.

Mit diesem Wechsel in der Schäferei gehen auch einige Umstrukturierungen einher. So erwägt man beim BUND zum Beispiel verschiedene Rechenmodelle, um die Beweidung möglichst wirtschaftlich zu gestalten. Eine kürzere Beweidungsdauer mit mehr Schafen sei eine Option, so Niemeyer. Umgesetzt werden können etwaige Neuerungen jedoch nur im Zusammenspiel mit den Landesforsten, die die jährlichen Kosten der Beweidung in Höhe von etwa 12 000 Euro tragen.

Dass die Frühjahrsbeweidung diesmal ausfalle, sei bedauerlich, aber nicht dramatisch für die Heide auf dem Gräberfeld, kommentierte Rainer Städing, Pressesprecher der Landesforsten, den Abzug der Schafe. Generell wolle man jedoch auf jeden Fall am Erfolgsmodell der Beweidung festhalten.


Bereits im elften Jahr beweiden Moorschnucken vom ehemaligen Schäferhof Teerling das 40 Hektar große Areal. Sie verbeißen das Kraut, halten die Fläche offen und sind unverzichtbar für den Erhalt der einzigartigen Kulturlandschaft.

Für die inzwischen schon traditionelle Schafschur zum Ende der Frühjahrsbeweidung im Mai müssen die Landesforsten nun ebenfalls umplanen. „Anstatt Schafe zu scheren, werden wir uns am Sonntag, 27. Mai, auf Führungen zur Archäologie und zur Heidefauna konzentrieren“, sagt Städing. Immerhin wölben sich unter der Heide in Pestrup mehr als 500 Hügelgräber aus der Bronze- und Eisenzeit.