WILDESHAUSEN - Die Wildeshauser fühlen sich in „ihrer“ Stadt wohl. Wenn sie jedoch auf Mängel hinweisen, wünschen sie sich, dass diese auch abgestellt werden. So oder ähnlich äußerten sich viele Bürger, die am Sonnabend zur „Rollenden Redaktion“ der Nordwest-Zeitung gekommen sind, die im „famila“-Markt am Westring aufgebaut war. „Man muss leider erst immer anrufen, damit die Stadt überhaupt reagiert“, ärgert sich Bärbel Weiß.
Die Anliegerin aus der Dittmarstraße hat extra Bilder mitgebracht: Der Bürgersteig vor dem Spielplatz ist nahezu zugewachsen; der Randstreifen nicht gemäht. „Es sieht verheerend aus“, sagt sie, „dabei handelt es sich doch um städtisches Eigentum.“ Auch die Glascontainer dürften ihrer Ansicht nach nicht vor dem Spielplatz stehen. Weiß wünscht sich eine regelmäßige Pflege. „Es kann doch nicht sein, dass man erst einen Ratsherrn anrufen muss.“ Verständnis für die Sorgen der Hauptschul-Anlieger äußert Nicole Lorenz. Es sei richtig, den Hartplatz auf dem Gelände einzuzäunen, meint sie.
Karin Großkinsky, die auf dem Katenbäker Berg wohnt, beklagt den Zustand des dortigen Bolzplatzes. „Ein Tor ist schon abgebaut worden und wird angeblich nicht ersetzt“, sagt sie. Dabei werde der Spielplatz oft genutzt. Und am Wochenende kommen ihre Enkel zu Besuch „Die spielen gern Fußball.“
Das Angebot an Sport- und Freizeitmöglichkeiten in der Kreisstadt ist auch das Thema von Rebecca Daniel. „Es wurde höchste Zeit, dass die alte Halle an der St.-Peter-Schule abgerissen und nun durch eine neue ersetzt wird“, sagt die Mutter von zwei Töchtern. Leider sei das Sportangebot für Kinder im Kindergartenalter recht dürftig, meint sie.
Hundekot im „Golddorf“
Ein neues Schwimmbad wünscht sich Agnes Fuchs. In der Wintersaison werde das Hallenbad wohl fehlen. Auch Hinrich Janssen aus Voßberg vermisst das alte Kurbad. Er gehörte zu den regelmäßigen Sauna-Gästen. Kein Verständnis hat er für die Wildeshauser Proteste gegen die Nachnutzung des Flugplatzes Ahlhorn. „Früher hatten wir Tiefflieger. Das haben viele Wildeshauser wohl schon vergessen.“ Gleicher Ansicht ist Hermann Körner. Er kritisiert zudem die Verkehrsführung an der Ecke Deekenstraße/Westertor. Für Radfahrer sei es viel zu kompliziert, Richtung Westertor abzubiegen.
Die Verkehrssituation am Westertor ist auch das Thema von Brigitte Teske. Gerade in der Innenstadt hätten ältere Menschen ein Problem, ungefährdet die Straßenseite zu wechseln, so die Vorsitzende des Seniorenbeirates. Unverständnis zeigt Teske über die politische Debatte: „Mich stört, dass so viel über den Bürgermeister hergezogen wird.“ In Wildeshausen lasse sich gut leben: „Ein guter Vogel beschmutzt nicht das eigene Nest.“ Auch Erik Erdel lobt die gute Nachbarschaft und die Angebote in der Stadt.
Wortgewaltig kritisiert Evelino Haak die hygienischen Zustände in Deutschland. Die Straßenränder seien mancherorts voller Hundekot. Selbst im „Golddorf“ Dötlingen reihe sich ein Haufen an den anderen, sagt der Zimmermeister aus Neerstedt. Fliegen würden die Keime auf Lebensmittel tragen. „Ich esse keine Torte im Freien“, sagt er. Selbst seine Verwandten in Brasilien meinten, die Deutschen würden ihre eigenen Fäkalien essen.
Über die Restriktionen für heimische Unternehmer ärgert sich Kaufmann Hermann Debbeler. Aufgrund der Sortimentsbeschränkungen für den Westring sei es ihm unmöglich gemacht worden, einen Nachmieter für sein Ladengeschäft zu finden. Ein Unternehmer sei gezwungen, auf seiner Fläche nur einen Baumarkt zu öffnen. Debbeler fordert eine Freigabe der Sortimente. Außerdem ärgert es ihn, dass die Edeka-Tochter „Netto“ einen Discount-Markt an der Harpstedter Straße eröffnen darf, obwohl der Rat zuvor einen „Edeka“ abgelehnt hatte. „Da ist Trickserei im Spiel“, vermutet er.
„Bäume nicht gepflegt“
Mehr Leben in der Innenstadt wünschen sich Gabriele und Eckhard Rosemeier. „Dort funktioniert das Stadtmarketing überhaupt nicht.“ Außerdem machen sie auf ein Problem an Hunteweg aufmerksam: „Die jungen Bäume dort werden überhaupt nicht gegossen und nicht gepflegt.“ Hier solle der Bauhof dringend eingreifen. Viel Lob für die Stadt hat Harm Munderloh aus Garmhausen übrig: „Wir fühlen uns wohl.“
Eine Stippvisite statten der Rollenden Redaktion auch FDP-Ehrenvorsitzender Eilert Tantzen und seine Frau Jutta ab. „Die älteste Stadt im Oldenburger Land ist etwas ganz Besonderes“, meint der frühere Hatter Bürgermeister und Kreistagsabgeordnete. Von der Kreissitzverlegung habe Wildeshausen enorm profitiert. Auf die wirtschaftliche Entwicklung könnten die Wildeshauser nur stolz sein. Tantzen appellierte zudem, am 11. September vom Wahlrecht Gebrauch zu machen.
