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Soziales Als „Chef“ selbst Assistenten ausgesucht

WILDESHAUSEN - „Jetzt bin ich der Chef“, sagt Matthias Giese selbstbewusst. Der 26-jährige Wildeshauser leidet an einer Muskelkrankheit und ist auf Unterstützung angewiesen, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Er gehört zu den Ersten im Landkreis Oldenburg, die das so genannte „Persönliche Budget“ in Anspruch nehmen. „Mit dem Geld konnte ich mir selbst einen Betreuer aussuchen“, berichtet Giese.

Seit dem 1. Januar 2008 besteht in Deutschland ein Rechtsanspruch auf das „Persönliche Budget“. Dessen Höhe orientiert sich am individuellen Bedarf und soll die Höhe der bisherigen Sachleistungen nicht überschreiten. Durch die Leistungsform des „Persönlichen Budgets“ soll das Wunsch- und Wahlrecht der Menschen mit Behinderung gestärkt werden. Sie können sich Hilfen bei einzelnen Dienstleistern selbst „einkaufen“. Zu den Leistungsträgern gehören Krankenkasse, Pflegekasse, Sozialamt oder Rentenversicherung.

Aushang an den Unis

Früher habe das Sozialamt das Geld an den so genannten Leistungserbringer, beispielsweise ein Wohnheim, gezahlt. Dieses wiederum habe dann den Betreuer gestellt. „Da weiß man nie, ob die Chemie passt“, sagt Sandra Scholz, die Leiterin des DRK-Mehrgenerationenhauses in Wildeshausen. Dort engagiert sich Matthias Giese seit einiger Zeit ehrenamtlich. Dank des „Persönlichen Budgets“ konnte er sich selbst einen Assistenten suchen. „Ich habe eine Anzeige aufgegeben und mehrere Aushänge, etwa an den Unis in Vechta und Oldenburg, gemacht“, berichtet er.

Der Aushang an der Heilerziehungspflegeschule in Wildeshausen brachte den erhofften Erfolg: Timo Sudmann (32), der dort 2009 seine Ausbildung beendet hat, meldete sich auf das Inserat. Es wurde ein Vertrag geschlossen. Seitdem begleitet er Giese 35 Stunden wöchentlich. Er hilft beim Einkaufen oder beim ankleiden. Normalerweise ist er montags bis freitags im Einsatz. „Wenn Matthias aber am Wochenende in die Fun Factory oder ins Kino möchte, begleite ich ihn auch“, berichtet der Wildeshauser.

Wenig Papierkram

Obwohl Giese auf den Rollstuhl angewiesen ist, meistert er manch schwierige Aufgabe. Dank seiner sehr guten PC-Kenntnisse erstellt der gelernte Bürokaufmann den Veranstaltungskalender fürs DRK oder schreibt Briefe. Seine Erfahrungen mit dem „Persönlichen Budget“ will er nun an Betroffene weitergeben. „Ab Dienstag, 1. November, bin ich jeden zweiten Dienstag im Monat in der Zeit von 15 bis 17 Uhr im Mehrgenerationenhaus zu erreichen“, kündigt er an. Dem DRK sei es wichtig, dass Betroffene untereinander Informationen austauschen. „Die Gespräche sind natürlich absolut vertraulich“, betont Scholz. Im Mehrgenerationenhaus liegen umfangreiche Informationen zum „Persönlichen Budget“ bereit. Auch beim Ausfüllen von Formularen will Scholz – falls erforderlich – behilflich sein. In diesem Punkt kann Giese Interessenten aber beruhigen. „Der Papierkram war halb so schlimm“. Das Sozialamt habe schnell gearbeitet.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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