WILDESHAUSEN - „Der Start war ein großes Wagnis“, sagt Christa Heimermann, Vorsitzende des Vereins „Frau­en beraten – donum vitae Wildeshausen“. Im November 2000 wurde der Verein ohne jegliche finanzielle Absicherung gegründet. „Ohne Spenden läuft gar nichts“, so die Vorsitzende. Inzwischen kann der Verein auf zehn Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken. In dieser Zeit standen erfahrene Sozialpädagoginnen 2061 Frauen in Not- und Konfliktsituationen zur Seite. Mehr als 3634 Gesprächskontakte wurden gezählt.

Bereits im Jahr 1996 hatte der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) in der Kreisstadt eine Schwangerenkonfliktberatung ins Leben gerufen. Doch mit dem von Papst Johannes Paul II. 1999 geforderten Ausstieg der katholischen Kirche aus dieser Form der Beratung entschieden sich im Herbst 2000 engagierte Frauen in Wildeshausen, die Arbeit auch ohne die finanzielle Un­terstützung der Kirche fortzusetzen. Inzwischen hat der Verein 36 Mitglieder. Die Sprechstunden werden im Haus Wittekindstraße 6 in Wildeshausen angeboten.

Die Beratung, kostenlos und natürlich vertraulich, soll den werdenden Müttern helfen, über die eigene Situation nachzudenken. Heimermann: „Wir wollen eine Perspektive für das Leben mit dem Kind erarbeiten.“ Finde die Frau in ihrem Konflikt Hilfe, Ermutigung und Unterstützung, falle es ihr leichter, sich für das Kind zu entscheiden. Die drei erfahrenen Sozialpädagoginnen Brigitte Meyer-Tönjes, Sabine Bernhold und Ulrike Kleen beraten die Betroffenen. Sie beziehen – sofern gewünscht – die Partner und das soziale Umfeld mit ein.

Der Bedarf hat stets zugenommen: 1996 wurden 104 Frauen beraten (242 Kontakte). Im Jahr 2009 lag die Zahl der Erstberatungen bei 237, davon hatten 51 keine deutsche Nationalität. Der größte Anteil macht die Gruppe der 27- bis 34-Jährigen (81) aus. Angesichts des großen Bedarfs wurde im Januar 2003 eine Außenstelle in Ganderkesee eingerichtet, die jeweils mittwochs besetzt ist. Selten sei eine Beratung kürzer als eine Stunde. Meistens komme es zu mehreren Gesprächen. „Un­sere Beraterinnen setzen sich voll ein“, sagt Heimermann. Auf Wunsch stelle man einen Beratungsnachweis im Sinne von § 218/219 StGB aus.

Ein Bestandteil der Arbeit sei die Aufklärung: Allein 2009 führte der Verein 13 Präventionsveranstaltungen mit Schulklassen durch. Als „Renner“ gelten die Projekte mit den Baby-Simulationspuppen. Hilfe gibt „donum Vitae“ auch nach einem eventuellen Schwangerschaftsabbruch – und natürlich nach der Entscheidung für das Leben. Alle 14 Tage ist es rappelvoll in der Beratungsstelle, wenn alleinerziehende oder junge Mütter unter der Leitung von Annette Ueberschär miteinander ins Gespräch kommen. Es sei immer wieder ein besonderes Ereignis, wenn Frauen ihr kleines Kind „vorstellen“.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent