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Stadtgeschichte „Frühlingsecke“ lädt zum Plaudern ein

Uta-Maria Kramer

WILDESHAUSEN - Es erinnert an eine Zeit, als die Wildeshauser Ackerbürger abends unter den Linden vor ihren Häusern saßen, ein kühles Bier vom Nachbarn Kern tranken und den Tag mit einem kleinen Schwätzchen ausklingen ließen: Das große Wandgemälde „Frühlingsecke“, das seit dieser Woche die Hauswand von Hermann und Inge Debbeler an der Kleinen Straße 21 verschönert.

„Wir haben das Bild zur Zierde der Stadt und zur Darstellung eines Teils der Stadtgeschichte anbringen lassen“, erklären die Debbelers übereinstimmend. Gemalt wurde das Bild von Daniel Hübner aus Wardenburg, der bereits 1984 ein Fassadengemälde für die Spedition Debbeler gestaltet hatte.

Wie Peter Hahn, Experte für Wildeshauser Stadtgeschichte, erläuterte, handelt es sich bei dem Namen „Frühlingsecke“ um eine von den früheren Bewohnern verwendete heimatkundliche Bezeichnung, die wohl um 1900 entstand, dann aber in Vergessenheit geriet. Hahn erklärt sich die Bezeichnung so, dass die Bewohner der Straße früher – nach getaner Arbeit – an dieser Ecke zusammensaßen. Dies war nicht vor dem beginnenden Frühling möglich, so dass die Ecke zur Frühlingsecke wurde.

Doch Debbelers haben es nicht bei der „Frühlingsecke“ bewenden lassen, sondern auch ihren angrenzenden Neubau mit einer Plastik von Hübner verschönern lassen. Das Werk mit dem Titel „Schwienemarkt“ zeigt zwei Ferkel in einem Korb, wie sie früher zum Markt transportiert wurden.

„Der Name ,Swienemarkt’ weist auf die Viehhaltung der Ackerbürger und die Vermarktung innerhalb der Stadt hin“, so Hahn. Die meisten Ackerbürger betrieben seinerzeit neben ihrem handwerklichen Gewerbe eine kleine Landwirtschaft. Im Mittelalter bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mitten in der Stadt der Viehmarkt abgehalten. „1860 wurden zum Beispiel 265 Kühe, 98 Pferde und nicht wenige Schweine und Schafe aufgetrieben“, berichtete Hahn. Dazu seien der Markt und die angrenzenden Straßen mit Stroh ausgelegt worden. 17 öffentliche Brunnen hätten Mensch und Vieh mit Wasser versorgt.


An diese alte Tradition habe sich 1980, während der letzten Stadtsanierung, die „Pumpengemeinschaft“ der Burgstraße erinnert. Mit der rotblühenden Kastanie samt Sitzbank und der wieder zu Wasser gelassenen Pumpe hat sie laut Hahn am „Schwienemarkt“ einen Ort der Ruhe geschaffen, der durch die aktuellen Kunstwerke noch verschönert werde. „Eine lobenswerte Eigeninitiative“, lobte der Heimatkundler auch im Namen der Gästeführer des Verkehrsvereins, die die neuen Bildnisse in ihren Stadtrundgang aufnehmen wollen.

NWZ

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