WILDESHAUSEN - „Ohne dieses Gebiet hätte Wildeshausen überhaupt keine Entwicklung mehr“, betonte Planer Eckhart Mumm, „dann wäre die Stadt tot.“ Die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (StEM) im Westen der Kreisstadt war am Freitagabend Thema der ersten „Zukunftswerkstatt“, zu der der SPD-Ortsverein Wildeshausen eingeladen hatte. Etwa 40 Gäste informierten sich beim Planungsbüro Mumm & Partner sowie bei Hermann Busch, dem Geschäftsführer der städtischen Grundstücks- und Erschließungs-GmbH (GEG), aus erster Hand.

Peter Hanelt, ebenfalls vom Büro Mumm, wies auf das anhaltende Bevölkerungswachstum hin. Die Einwohnerzahl Wildeshausens werde im Jahr 2015 bei 20 500 liegen. Daher sei es wichtig, ausreichend Grundstücke für Häuslebauer wie gewerbliche Investoren vorzuhalten. „Viele Betriebe wollen sich in ihrem Ort entwickeln können“, ergänzte Mumm.

Grundstücke gefragt

Busch zufolge hat die GEG 2009 neun Wohnbaugrundstücke im Bereich der StEM verkauft. Nachdem man auf veränderte Marktbedürfnisse reagiert habe und künftig kleinere Grundstücke anbiete, lägen in diesem Jahr schon sechs Reservierungen vor. 21 der 48 Grundstücke seien bereits weg. „Die Nachfrage zieht trotz der Wirtschaftskrise an.“ Zugleich brach Busch eine Lanze für das umstrittene Gewerbe- und Industriegebiet in Steinloge. Es sei eine gute Ergänzung zum Flugplatzareal in Ahlhorn. „Wenn wir nur zuschauen, können wir in 20 Jahren den Laden dicht machen.“

Unter der Moderation von SPD-Ortsvereinschef Norbert Roßmann wurde aber mehr über die Vergangenheit als über die Zukunft diskutiert. Friedrich Ahlers wies auf die Benachteiligung der Bauern hin, die dort ihre Flächen abgeben mussten. Sie hätten für die vom Gutachterausschuss festgelegte Summe kaum gleichwertige Ersatzflächen ankaufen können. „Wir sitzen doch hier, weil der Abverkauf nicht so gut gelaufen ist“, forderte Unternehmer Helmut Müller eine ehrliche Bilanz. „Holen uns die Kosten nicht bald ein?“ Zudem fragte er, ob es nicht möglich sei, ein Teilgebiet der StEM abzutrennen. Busch warnte davor.


Landwirt Eike Bruns, gegen den ein Enteignungsverfahren läuft und der sich deshalb mit der Stadt vor Gericht streitet, widersprach einigen Darstellungen vehement. Im übrigen habe es eine Chance auf Einigung gegeben, doch die Stadt sei „stur“ geblieben. „Wir sind keine Krawallheinis“, betonte Ehefrau Silke Bruns. Jeder Hausbesitzer, der enteignet werde, aber nur einen Bruchteil des Gegenwertes erhalte, würde sich wehren. Ex-Bürgermeister Franz Duin (SPD) sagte, es sei in Ordnung, dass die Familie Bruns auf diesem Weg ihr Recht suche. „Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei.“ Aus gutem Grund habe der Rat aber seinerzeit einstimmig die StEM auf den Weg gebracht. Er warnte vor den Folgen einer möglichen Veränderung. „Da müssen wir ehrlicher miteinander umgehen“, so Duin.

„Nicht kaputtreden“

Hinter den Beschluss stellt sich auch SPD-Fraktionsvorsitzende Evelyn Goosmann: „Wir sollten das nicht kaputtreden.“ Karl Schulze Temming-Hanhoff fragte nach, ob es nicht besser sei, wenn sich die Stadt mit Kläger Bruns einige. Während Planer Mumm auf das Prinzip der Gleichbehandlung hinwies, warnte GEG-Manager Busch davor, das Thema überhaupt nur öffentlich zu diskutieren.

Nächstes Thema der „Zukunftswerkstatt“ soll auf Anregung Duins Steinloge sein.