WILDESHAUSEN - „Es lohnt sich noch auf den Zug auszuspringen“, zeigte sich Ulrich Fortmann, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, Bau und Umwelt im Wildeshauser Stadthaus, überzeugt. Trotz der von der Bundesregierung angekündigten Kürzung bei der Solarförderung sahen das gut 30 Bürger offenbar genauso. Bei einer Informationsveranstaltung der städtischen „Arbeitsgruppe Solar“ bekundeten sie am Montagabend ihr Interesse, sich an einer Bürger-Solaranlage zu beteiligen und Mitglied bei einer zu gründenden GbR zu werden.
Andreas Hauth, ehrenamtlich tätiger Geschäftsführer der „Dötlinger Fotovoltaikanlage GbR mbH“, erläuterte das Vorgehen in der Nachbargemeinde. Diese hatte für die Bürgersolaranlage kostenlos Dachflächen auf der Turnhalle und der Grundschule Neerstedt, dem Bauhof, der Sporthalle und der Feuerwehr in Dötlingen zur Verfügung gestellt (dieNWZ
berichtete). Die 35 Mitglieder der Dötlinger GbR verfolgen per Internet die Stromeinspeisung und mögliche Fehlermeldungen. Die Dötlinger seien bereit, die Wildeshauser Initiative zu beraten und Musterverträge zur Verfügung zu stellen.Entsprechend einer Prioritätenliste der „Arbeitsgruppe Solar“ sollen auf den Grundschulen St. Peter, Holbeinschule und Wallschule in Wildeshausen die ersten Photovoltaikmodule installiert werden. Ziel sei es, auf der Wallschule bis zum 1. April die Module zu verkabeln, um in den Genuss der alten Fördersätze zu kommen, sagte Wirtschaftsingenieur Hendrik Hempelmann. Denkbar sei eine 30 KWp-Anlage mit in China produzierten Modulen.
Die Renditeberechnung stellte Steuerberater Dettmar Vosteen vor. Im ersten Schritt solle die Bürgersolar-GbR rund 50 000 Euro investieren. Bei einer aktuellen Einspeisevergütung von 24,43 Cent pro Kilowattstunde Strom und jährlichen Betriebskosten von gut 1300 Euro sei mit einer Rendite von 6,42 Prozent zu rechnen. Sinkt die Einspeisevergütung auf 16,05 Cent pro kWh, wie im Zuge der Novellierung des Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) angekündigt, sei aber immer noch ein „Zins“ von 4,02 Prozent zu erwarten. Die Gesellschaft muss Rücklagen bilden, unter anderem für einen späten Rückbau der Anlage. Die Stadt will die öffentlichen Dachflächen kostenlos zur Verfügung stellen.
Ronald Kunert von der Verbraucherzentrale warnte davor, über die weitere Entwicklung der Vergütung zu spekulieren. Die Bundesregierung will die Sätze zwar schon zum 1. April kappen; der Bundesrat muss sich aber am 11. Mai damit befassen. Hartmut Kaufmann regte an, einen Teil des Stroms an die Stadt abzugeben.
Wildeshauser können sich mit einer Summe zwischen 500 bis 1500 Euro an der Bürger-Solaranlage beteiligen. Die rund 30 Interessenten erhalten in den nächsten Tagen Post von der Stadt. Sie will etwa die Höhe der Beteiligung abfragen. Ziel sei es nun, rasch die Bürgergesellschaft zu gründen und einen Geschäftsführer zu finden, erläuterte Fortmann. „Dann hat der Rat einen Partner, mit dem er den Gestattungsvertrag aushandeln kann.“ Trotz geänderter Förderkulisse sei „noch viel Musik drin“. Das nächste Treffen der „Arbeitsgruppe Solar“ steht am Montag, 19. März, um 17.30 Uhr im Wildeshauser Stadthaus (Raum 142) an.
