Wildeshausen - Großlibellen-, Eintags- und Köcherfliegenlarven, Bachflohkrebse, einige Stichlinge und sogar eine besonders geschützte Mühlkoppe: Seltene „Krabbeltierchen“ haben 20 Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren mit Eimern aus der Visbeker Aue gefischt. Aber nur zur Begutachtung. Danach landeten die Tiere wieder im Bach. Denn bei der Aktion der Naturschutzjugend (Naju) ging es darum, das Wissen an und in natürlichen Gewässern zu fördern.
Die Naju-Betreuer Tamino Büttner und Gertraud Kreye hatten den Fischereiverein Wildeshausen für diese Aktion um Unterstützung gebeten, und mit dessen Naturschutz- und Umweltbeauftragtem Ralf Siemer ein Programm an der Visbeker Aue in Wildeshausen abgesprochen. So konnte der Verein zeigen, dass es sich um ein natürliches Gewässer mit hoher Qualität handelt.
Mit Keschern und Watstiefeln ging es ins Wasser, um die kleinen „Krabbeltierchen“ zu fangen. „Die dienen zur Bestimmung der Wasserqualität. Bestimmte Tierchen sind der Indikator für eine hohe Wasserqualität, und die versuchen wir zu fangen und zu bestimmen“, erklärte Siemer.
Das Engagement der jungen Naturschützer zahlte sich aus. Der Naturschutznachwuchs lauschte interessiert den Erklärungen Siemers. „Die Großlibellenlarve lebt einige Jahre im Gewässer und ist ein großer Räuber, sie ernährt sich sogar von kleinen Fischen. Köcherfliegenlarven bauen sich zum Schutz vor Fressfeinden aus kleinen Pflanzenteilen und Steinen eine Röhre (Köcher), in der sie leben. Der Stichling legt seine Eier in selbstgebaute Nester und die Mühlkoppe in eine Höhle. Anschließend betreiben die Männchen Brutpflege und bewachen die Eier bis zum Schlupf der Jungen“, erläuterte der Naturschützer. Die Aue sei eines der besten Fließgewässer im Landkreis.
Außerdem schauten sich die Mitglieder der Naju Teilbereiche des Gewässers von außen an. Die Kinder mussten die Gewässer- und Uferstrukturen bewerten. Unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten, Uferformen und Strukturen im Wasser konnten festgestellt werden. Hier finden auch der Eisvogel und die Wasseramsel gute Lebensbedingungen, so die Fachleute. Das Ergebnis war eindeutig: Mehr „lachende“ als „traurige“ Fische. Hier fühlen sich alle Tiere im und am Wasser wohl, so die Umweltschützer.
Der Fischereiverein zeigte zudem, dass der Mensch aktiv zur Verbesserung der Gewässerqualität beitragen kann. In Zusammenarbeit mit der Hunte-Wasseracht wurden in den vergangenen Wochen Renaturierungsmaßnahmen an der Aue durchgeführt. Neue Kiesbänke und Strömungslenker entstanden.
