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Logistik „Unser Produkt muss sexy sein“

Wildeshausen/Vechta - Die Kritik hallt noch nach: Zu voll, zu spät, so die erste Reaktion von Schülern wie Eltern als das Busunternehmen Wilmering aus Vechta den Schulbusverkehr in weiten Teilen des Landkreises Oldenburg übernahm. „Bei der Größe eines solchen Linienbündels waren die Anfangsschwierigkeiten zu erwarten“, sagt Unternehmer Leo Wilmering. Inzwischen seien die Probleme gelöst. Fahrwege und -pläne wurden in Absprache mit dem Landkreis und dem Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) nachjustiert.

Das Unternehmenin Zahlen

Bereits 1940 führte die heutige Gerhard Wilmering Omnibusbetrieb GmbH & Co. KG Krankenfahrten durch. 1946 wurde der Omnibusbetrieb ausgegliedert. Die Linienverkehre wurden seitdem ausgeweitet.

Leo Wilmering jun. übernahm 1995 die Betriebsleitung. Damals leistete das Unternehmen mit 23 Mitarbeitern rund 240 000 Fahrplan-Kilometer pro Jahr. Aktuell sind es 6,1 Millionen. Die Zahl der Mitarbeiter liege bei rund 220.

Heute betreibt die Wilmering-Gruppe öffentlichen Personennahverkehr in den Landkreisen Vechta, Cloppenburg, Oldenburg, Diepholz und Nienburg. Für die Verkehr und Wasser GmbH (VWG) übernimmt sie zudem Fahrten im Stadtverkehr Oldenburg und verbindet in Eigenregie den Nordkreis Diepholz mit dem Oberzentrum Bremen. Ab August 2019 betreibt Wilmering für die nächsten zehn Jahre auch den Verkehr im Linienbündel „Diepholz Süd Ost“.

Europaweite Vergabe

Wilmering betreibt seit dem Sommer 2017 alle 27 Strecken des „Linienbündels Oldenburg West“ mit den Gemeinden Wardenburg, Hatten, Großenkneten, Dötlingen und Wildeshausen. In diesem Sommer kamen weitere Linien im Bereich Wardenburg/Oldenburg sowie im Landkreis Diepholz vor den Toren Bremens dazu. Nun konnte sich die Wilmering-Gruppe zum dritten Mal in Folge in einem europaweiten Vergabeverfahren durchsetzen. Ab dem 1. August 2019 ist das unternehmen mit der Durchführung der Verkehrs im Bündel „Diepholz Süd Ost“ für die kommenden zehn Jahre betraut. 14 Neufahrzeuge werden dafür zum nächsten Schuljahr beschafft. Insgesamt leistet das größte regionale Busunternehmen im Verkehrsverbund 6,1 Millionen Fahrplankilometer pro Jahr mit rund 210 Bussen.

Leider gebe es seit einiger Zeit wieder Störungen im Verkehrsablauf, wie Wilmering im NWZ-Gespräch einräumt. Ein Grund: Es fehle an Fahrpersonal. Krankheitsbedingte Ausfälle würden immer öfter auf den Fahrplan durchschlagen. Die gesamte Branche klagt über Lkw-Fahrermangel: Bis 2020 fehlen nach Angaben des Logistikverbands (DSLV) rund 150 000 Brummi-Fahrer.

Zwar trage die Branche eine Mitschuld, weil Gehälter und Tarife nicht so mitgewachsen seien wie bei anderen Berufsgruppen. Zum anderen seien die Hürden mit den gewachsenen Ansprüchen an die Fahrer immer höher geworden. Spitzen, etwa bei der Schülerbeförderung, könnten bei Krankheitsfällen kaum ausgeglichen werden.

Auch durch die unterschiedliche zeitliche Belastung sei der Beruf immer unattraktiver geworden. „Früher gab es Menschen, die sich bewusst für diesen Beruf entschieden haben und ein großes Verantwortungsgefühl für ihren Betrieb hatten“, erläutert Wilmering. Heute würden ihm zum Teil Mitarbeiter über die Arbeitsagentur zugewiesen, die meist einen anderen Beruf ausüben wollten.

Mitschuld der Politik

Der 53-jährige Unternehmer gibt aber auch der Politik eine Mitschuld: Bei öffentlichen Ausschreibungen müssten die Firmen sehr spitz kalkulieren, um im Vergabeverfahren erfolgreich zu sein. Als kontraproduktiv bewertet Wilmering die niedersächsische Version des Tariftreuegesetzes, wonach sich Auftragnehmer eines öffentlichen Vergabeverfahrens verpflichten, ihren Arbeitnehmern ein tariflich festgelegtes Entgelt zu zahlen. Das Gesetz gelte lediglich für die georderten Touren von A nach B, aber keinesfalls für die Anfahrtswege vom Betriebshof. Wilmering beklagt einen „irrsinnigen“ bürokratischen Aufwand. So habe er jüngst für zehn Mitarbeiter 124 Varianten für die tarifgerechte Zuordnung berechnen müssen. „Das Gesetz ist ein soziales Pulverfass“, meint der Unternehmer, weil es innerhalb der Belegschaft Sozialneid aufgrund unterschiedlicher Bezahlungen schüre. Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium in Hannover seien bislang erfolglos geblieben.


„Unser Produkt muss sexy sein“, erklärt Wilmering – und meint damit nicht nur die Beförderungsleistung, sondern vor allem das Berufsfeld Busfahrer. Das Unternehmen, das in Vechta, Oldenburg, Wildeshausen und Brinkum Betriebsstätten unterhält, plane im kommenden Jahr diverse Projekte, um das Wir-Gefühl unter den Mitarbeitern zu stärken. „Ich würde sofort 30 Mitarbeiter einstellen“, sagt Wilmering. Doch aufgrund der großen Fahrerknappheit spreche man im Unternehmen über Notfallpläne – etwa für den Fall einer Grippewelle. Die Sicherstellung des Schülertransports genieße in jedem Fall „oberste Priorität“.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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