WILDESHAUSEN - Bei Nina Hohendahl klingelt unablässig das Telefon: „Manche Kollegen der Branche gehen vermutlich schon gar nicht mehr dran“, sagt die Junior-Chefin des Wildeshauser „Reifenhandels Wagenfeld“. Schon wieder muss sie einen Kunden vertrösten, dass der gewünschte Marken-Winterreifen zurzeit nicht lieferbar sei. „Das Fabrikat soll in der zweiten Novemberwoche kommen“, verspricht sie.

Landauf landab sind Winterreifen derzeit Mangelware. „Vor allem bei den gängigen Größen wie 195/65 R15 oder 205/55 R16 gibt es derzeit Engpässe“, erläutert Hohendahl. Insbesondere Premiummarken seien bei den Kunden gefragt. Hier sei die Wartezeit in der Regel am längsten. Im Laufe des Novembers soll es aber Nachschub geben.

Von einer „riesigen Nachfrage“ spricht auch Herbert Hübner, Lagerist bei Auto Wilke. „Wir haben schon im März bestellt, aber das komplette Kontingent wurde immer noch nicht geliefert.“ Bei einigen Marken könne man den Kundenwunsch allerdings bereits innerhalb von 14 Tagen erfüllen. Als eine Ursache führt Hübner die so genannte Abwrackprämie an: Durch die hohe Zahl an neu zugelassenen Kleinwagen sei vor allem die Nachfrage bei gängigen Winterreifengrößen enorm gestiegen. Selbst Stahlfelgen seien inzwischen Mangelware.

Ähnlich beurteilt man bei VW Hoppe die Lage: „Man muss nehmen, was man kriegen kann“, sagt Teiledienstleiter Jörg Nitz. Zwar achte der Kunde besonders bei Winterreifen auf Qualität, jedoch sei es schwierig, bestimmte Marken zu erhalten. Gleichwohl seien die Werkstätten bemüht, bei Reifengroßhändlern Ware loszueisen. „Wir grasen den Markt ab“, so Nitz. Auch Jörn Röhr vom Wildeshauser Autohaus Woltmann macht die Industrie für die Situation verantwortlich. Es sei einfach zu wenig produziert worden. „Nun sind manche Größen gar nicht mehr lieferbar.“

Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk (BRV) widerspricht: Es seien 1,5 Millionen Reifen mehr produziert worden als normalerweise. „Wenn es erst richtig kalt wird, spitzt sich die Lage wahrscheinlich noch weiter zu“, so BRV-Geschäftsführer Peter Hülzer in einem Interview.


Etwas gelassener beurteilt Werner Beier vom gleichnamigen Wildeshauser Autohaus die Situation: „Wir haben gut vorsortiert und können unsere Kunden noch beliefern.“ Nur bei einigen Größen werde es eng. Allerdings stiegen die Preise nahezu täglich.

Als Grund für den konjunkturellen Aufschwung für die Reifenindustrie macht Beier auch die unklare Rechtslage aus: Weil der Gesetzgeber fordere, die Pneus den Witterungs- und Straßenverhältnissen anzupassen, gingen die meisten Kunden auf Nummer sicher. Allein aus Gründen des Versicherungsschutzes. Und so müssen Beier und seine Kollegin Hohendahl weiter für die Kunden zum Telefon greifen.