WILDESHAUSEN - „Musik ist das ideale Mittel, um Jugendlichen den Nationalsozialismus nahezubringen.“ Ein sogenannter „Rechtsrocker“, Ian Stuart Donaldson, stellte diese These in den achtziger Jahren in einem Interview auf. Referent Carsten Neumann griff sie am Mittwochabend bei seinem Vortrag „Rechtsrock“ im Wildeshauser Gymnasium auf und verdeutlichte bei der Veranstaltung des Präventionsrates Wildeshausen, wie diese Strategie immer wieder aufgeht. Das zeigte der 38-jährige Referent anhand von Hörbeispielen, Interviewauszügen sowie Liedtexten und Grafiken auf.

Seien die Neonazis zuvor eher Teil einer Subkultur gewesen, sei nun eine neue Lebenswelt entstanden, berichtete Neumann. Die Bandbreite reiche von den berüchtigten „Schulhof-CDs“ bis hin zu Vertriebswegen von rechten Produkten. Beispiele dafür sind Bekleidung oder Kinderspielzeuge wie ein Deutschlandpuzzle mit den Grenzen des Dritten Reichs. Wären Neonazis ehemals an Springerstiefeln, Bomberjacken und der typischen „Skinhead“-Frisur, der Glatze, zu erkennen gewesen, so seien ihr Auftreten und ihre Verbreitungsmethoden nun vielschichtiger und perfider, so Neumann. Normalerweise würden Punks der linken Szene zugeordnet. Mittlerweile gebe es sogar Punkbands, die explizit rechtsextreme Texte singen – nicht als Provokation, sondern weil sie sich positiv damit identifizieren, erzählte Neumann.

Er schilderte auch, wie das rechtsextreme Bedürfnis nach „großen Gefühlen“ befriedigt wird: Der rechte „Liedermacher“ Frank Rennicke verherrliche Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß in der Ballade „Damals im Mai“ und stelle ihn als Friedensbringer dar, so der Referent. Er fasste zusammen: „Rechtsrock ist nach wie vor ein wichtiges Rekrutierungsmittel für Nazis. So werden 13-Jährige, die noch über kein politisches Bewusstsein verfügen, kulturell an die rechte Szene herangeführt.“ Zudem greife rechtsradikale Musik nicht ins Leere; selbst junge Teenager hätten bereits rassistische Kommentare oder Witze aufgeschnappt. Selbst wenn rechte Musik verboten würde, sei sie über das Internet leicht zu beschaffen.

Neumann hält die Vorträge ehrenamtlich. Da er sich für Recherchen auch in der Neonazi-Szene aufhält, wollte er auf dem Foto nicht erkannt werden.