WILDESHAUSEN - Jetzt ist Handarbeit gefragt. Da in vielen Bereichen der Stadt versäumt wurde, beim Tauwetter Ende vergangener Woche den Schnee zu räumen, hat jetzt ein Eispanzer Nebenstraßen, Gehwege, Einfahrten und Parkplätze im Griff, gegen den zurzeit nicht mehr anzukommen ist. „Da hilft nur noch streuen und auf wärmere Temperaturen zu warten“, sagt Unternehmer Karsten Scheele aus Lüerte, der mit seinem Winterdienst pausenlos in Wildeshausen und Umgebung im Einsatz ist.
Kaum noch Streusalz
Auch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs versuchen alles, um der extremen Lage Herr zu werden. Allerdings ist das ein mehr als mühsames Geschäft. Seit Tagen ist das Streusalz auf einen kleinen Rest geschrumpft, der nur noch für die Aufrechterhaltung der Schulwegsicherheit eingesetzt wird. Daher kann zurzeit nur an neuralgischen Punkten eingegriffen werden. Wie Jörg Kramer, der Leiter des Bauhofs, berichtete, waren am Montag und Dienstag zehn seiner Leute im Einsatz, um per Hand die eisglatten Behinderten- sowie Mutter und Kind-Parkplätze mit Splitt abzustreuen. Auch an der St.-Peter-Schule und an den am ärgsten betroffenen Straßensteigungen abseits der Hauptstraßen kämpften die Männer mit Splitt gegen die Glätte. Auf Gehwegen, für die die Stadt zuständig ist, wurde Salz eingesetzt. „Das haben wir im Griff“, sagte Kramer.
Da sich im Stadthaus die Beschwerden häufen, dass private Eigentümer ihrer Räum- und Reinigungspflicht nicht nachkommen, geht die Verwaltung gegen „Streumuffel“ inzwischen mit Verwarnungs- und Ordnungswidrigkeitenverfahren vor.
Besonders ältere Leute leiden unter den extremen Verhältnissen. Darauf wies auch die Vorsitzende des Wildeshauser Frauenvereins, Brigitte Kaiser, hin. Brigitte Teske, Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt, forderte dazu auf, besondere Rücksicht auf Ältere zu nehmen und zu helfen, wo es möglich ist, aber „auch nicht immer gleich nach dem Staat zu rufen.“
Eigenverantwortung
Ein um rund 30 Prozent gestiegenes Aufkommen an Glatteisunfällen hatte schon vor Tagen Dr. Hans-Jürgen Herrmann, Chefarzt des Johanneums, berichtet. Besonders Handgelenks- und Unterschenkelbrüche seien zu beklagen. Für die Haftung bei Glatteisunfällen sei grundsätzlich der Eigentümer zuständig, ihm müsse ein Verschulden nachgewiesen werden. Darauf wies Ralf Bahrs von der Öffentlichen Versicherung hin. Allerdings sei bei Winterbedingungen auch Eigenverantwortung gefordert.
