WILDESHAUSEN - Er gilt als Unternehmer der alten Schule: Klaus Denker hat in den 50er Jahren an der Harpstedter Straße in Wildeshausen eine Autofirma aufgebaut, die als vorbildlich in der Region galt. Nicht wenige Autos der Marke Opel trugen einen Sticker der Firma an der Heckklappe. Nach mehr als 40-jährigem Einsatz übergab er 1996 die Firma seinem Sohn Jens – schuldenfrei. Jens Denker lebt inzwischen in Kanada; Pächter Ralph Michael musste für „Opel Denker“ Insolvenz anmelden. Eine Situation, die für Klaus Denker schier unerträglich ist.
„Ich will nicht länger mehr nur zusehen“, sagt der 76-jährige Vollbut-Unternehmer, der noch direkt neben dem Autohaus wohnt. „Es muss etwas passieren.“ Denker hat eine große Vision: Er will den bestehenden Betrieb erneut übernehmen, umbauen und mit einem Juniorpartner wieder in Schwung bringen. Bislang war nur Ehefrau Karla in die Pläne eingeweiht.
Die Rückeroberung des Betriebs, ganz nach dem Vorbild des Fernsehfilms „Der große Bellheim“, könnte sich als steinig erweisen: Sohn Jens, der zum Bedauern des Vaters im scharfen Wettbewerb der Automobilbranche Probleme bekam, musste den Betrieb verpachten und einen Großteil des Grundstücks verkaufen. Inzwischen ist hier ein Aldi entstanden; ein Edeka-Markt ist in der Planung. Und am Freitag, 27. Februar, wird voraussichtlich das Insolvenzverfahren über „Opel Denker“ eröffnet, wie der vorläufig bestellte Insolvenzverwalter Berend Böhme sagte.
Doch Klaus Denker hat ein Ass im Ärmel: ein rund 10 000 Quadratmeter großes Grundstück hinter dem Aldi und dem Firmengelände. Diese Fläche will er dem Investor der Supermärkte anbieten, um seine Firma zurückkaufen zu können. Das sei für den Investor durchaus attraktiv, meint Denker. Der teure Abriss des Kfz-Betriebs, auf dessen Gelände der Edeka-Markt entstehen soll, würde vermieden. Wenn das Hintergrundstück aufgefüllt würde, könnte der Edeka-Markt hinter dem Aldi gebaut werden. Der einstige Kfz-Schlossermeister würde dann seinen einstigen Betrieb umbauen („Das jetzige Lager könnte Ausstellungshalle werden“), um die Arbeitsplätze zu erhalten. „Ich bin mir sicher, dass ich das packen würde.“
Und Denker geht noch einen Schritt weiter: Nach seiner Idee könnte in ferner Zukunft im heutigen Überschwemmungsgebiet zwischen Harpstedter Straße und Moorbäke ein familienfreundliches Baugebiet entstehen. „Es bietet sich zudem an, in der Welgenmarsch einen Bürgerpark mit Teichen und Wanderwegen zu planen.“ Diese Vision hat er im Stadthaus vorgelegt – ohne entsprechende Resonanz. Gleichwohl hofft er weiter auf eine gute Zukunft für seine einstige Firma.
Übrigens: Die Einladung zum Stadtempfang an diesem Donnerstag hat Klaus Denker abgesagt. „Ich kann nicht im Rathaus Sekt trinken, wenn 13 meiner langjährigen Mitarbeiter der Arbeitslosigkeit entgegen blicken.“
