WILDESHAUSEN - „Ich will unter anderem meine Sprachkenntnisse verbessern“, sagt die angehende Büro-Kauffrau Veronika Ott. Und David Bröring, der zum Elektroniker für Automatisierungstechnik ausgebildet wird, freut sich auf den Austausch mit seinen englischen Kollegen. Die beiden Nachwuchskräfte von Hermes Systeme brechen im März auf zu einem fünfwöchigen Auslandsaufenthalt. Erstmals nimmt der Wildeshauser Spezialist für Automatisierungstechnik an dem von der EU geförderten Programm „Ready for Europe“ („Startklar für Europa“) teil.

„Meine Assistentin Christiane Kreft hat das Programm entdeckt und Kontakt zum Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) aufgenommen“, berichtet Unternehmer Ingo Hermes am Montag. Er hoffe, dass die beiden Azubis mit einer kräftigen Portion Selbstvertrauen von der britischen Insel zurückkommen. Während Bröring (20 Jahre) aus einer Gruppe von rund zwölf Lehrlingen im technischen Bereich ausgewählt wurde (Hermes: „Ich sehe das als Auszeichnung für gute Leistungen“), sei Ott (22) einzige kaufmännische Auszubildende in der Firma.

Seit vier Jahren organisiert das BNW Auslandsaufenthalte in England und den Niederlanden, erläutert Innovationsmanager Torben Böhle. „Die Resonanz ist immens.“ In diesem Jahr vermittle das BNW 40 Plätze für Firmen im Oldenburger Land. Bei „Ready for Europe“ gehe es nicht darum, Auslandsaufenthalte zu vermitteln, sondern gezielt die Qualität der Ausbildung zu verbessern. Gerade für Firmen, die sich auf internationalen Märkten tummeln, sei das überlebenswichtig. Der fünfwöchige Aufenthalt kostet pro Lehrling rund 2500 Euro; davon trägt die EU 90 Prozent und der Rest das entsendende Unternehmen. Am Ende winkt ein Zertifikat, der so genannte „Euro-Pass“.

Ott und Bröring starten in Guildford, einer Stadt etwa 46 Kilometer südwestlich von London, zunächst mit einem einwöchigen Sprachkurs. Es folgt eine einwöchige Teamarbeit mit englischen Lehrlingen. Hier wird praktisches Wissen, etwa Geschäftstelefonate im Gastgeberland, vermittelt. Anschließend steht das dreiwöchige Praktikum in den Betrieben an. Hermes lobt die tolle Organisation des BNW. Er kann sich vorstellen, auch einmal ausländische Praktikanten in Wildeshausen aufzunehmen. Ingenieur Matthias Kühnel, der beim BNW „Ready for Europe“ betreut, weist darauf hin, dass die Briten in der Automatisierungstechnik noch Nachholbedarf haben. Die heimischen Nachwuchskräfte könnten aber in Sachen Teamfähigkeit viel lernen. Kühnel: „Die jungen Leute kommen meist mit breiten Schultern zurück.“

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent