WILHELMSHAVEN/BERLIN/HANNOVER - Die Erwartungen der Nordwest-Region an das Milliarden-Chemieprojekt von Ineos in Wilhelmshaven waren groß – entsprechend groß ist jetzt, nach der Absage vom Dienstag, die Enttäuschung.

„Für die Menschen in der Region ist das ein herber Rückschlag“, meinte der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Werner-Kammer (Zetel). Die Rahmenbedingungen seien gut gewesen. Insbesondere die Landesregierung habe alles für das Projekt getan.

„Ich bin furchtbar enttäuscht und verärgert. Die Bundes- und die Landespolitik haben ihre Hausaufgaben wirklich gemacht, die geplante Investition von Ineos zu unterstützen. Dass das Vorhaben nun gescheitert ist, liegt auf keinen Fall an irgendwelchen bürokratischen Hemmnissen“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer (SPD/Zetel).

„Wir bedauern diese unternehmerische Entscheidung“, hieß es bei der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Aber dies sei „sicher keine Entscheidung gegen Wilhelmshaven, sondern eine reine Preisfrage“, meinte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Dr. Michael Ahrens.

Ineos-Geschäftsführer Dr. Peter Prinz sagte dieser Zeitung, den Ausschlag zur Absage habe eine Kombination mehrerer Faktoren gegeben, die die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes nicht gewährleistet habe. Dabei ging es um Investitionskosten sowie Rohstoffe und Energie.


Prinz versicherte, der Konzern stehe ohne Abstriche zu seinem Standort Wilhelmshaven mit mehr als 300 Mitarbeitern in zwei Werken (Hauptprodukt: PVC). Das Projekt eines Ethan-Crackers werde zwar nicht weiterverfolgt; doch man werde permanent nach neuen Entwicklungsmöglichkeiten suchen. „Trotz dieser Enttäuschung gehen hier die Lichter nicht aus“, betonte er. Die Rohstoffversorgung mit Ethylen sei – wie bisher – per Schiff sichergestellt. Ineos wollte künftig Ethan aus Nordsee-Gas verarbeiten, das per Pipeline aus Dornum kommen sollte.

Mit dem Ineos-Cracker sind eine Reihe weiterer Projekte hinfällig geworden. Dazu zählt die Gas-Separationsanlage in Dornum ebenso wie eine Ethylen-Pipeline in das Ruhrgebiet und Erweiterungen von Ineos-Anlagen.

Der Sprecher des Landes-Wirtschaftsministeriums, Christian Haegele, sagte, man bedauere die Ineos-Entscheidung. Das Land bleibe mit dem Unternehmen im Kontakt. „Wir müssen jetzt die Auswirkungen auf den Chemiestandort Wilhelmshaven prüfen.“