WILHELMSHAVEN - Wenn die beiden neuen Portaldrehkrane für die Niedersachsenbrücke im Spätherbst in Betrieb gehen, werden sie ordentlich zupacken können: Mit einem Griff kann jeder der beiden 44 Kubikmeter rund 44 Tonnen Kohle greifen.
Fest zupacken musste am Montag zunächst Samson: Der mit 900 Tonnen Tragkraft stärkste Schwimmkran der Welt aus Dänemark nahm am Hannoverkai das erste Untergestell an den Haken, um es vom Nordhafen zu Rhenus Midgard an der Niedersachsenbrücke zu transportieren. 500 Tonnen bringt das Portal auf die Waage, die Drehteile wiegen je 550 Tonnen.
Um 7 Uhr startete die Aktion, um 10 Uhr lag Samson mit dem hängenden Portal in der Seeschleuse. An der Ostmole wurde eine Pause eingelegt, während die auslaufende Fregatte Hessen passierte. Zwischen 14.30 und 15 Uhr konnte dann das Portal auf die Brücke gesetzt werden.
Bis Donnerstag sollen alle vier Teile vom Inneren Hafen an die Jade umziehen. Dabei sollte das Wetter mitspielen; zu viel Wind und Seegang wäre von Übel. Denn nicht nur das Absetzen des Unterbaus auf den Schienenstrang ist Millimeterarbeit, besonders für das Aufsetzen des Drehteils auf das Portal braucht es ruhige See und ein ruhiges Händchen des Kranführers. Außerdem ist Hochwasser vonnöten, damit die erforderliche Kranhöhe über der Konstruktion erreicht wird. Für den ersten der beiden Kräne ist dieses Zusammenfügen morgen vorgesehen.
Geliefert werden die Kräne von Kirow-Ardelt in Eberswalde. Dort wurden alle wesentlichen Aggregate und Maschinenteile hergestellt, Großstahlteile ließ man auch in Polen bauen. Über Straße und Seeweg wurden die Einzelteile nach Wilhelmshaven gebracht, seit Ende März ist man hier mit der Montage beschäftigt. Dazu brauchte man das Gelände am Hannoverkai; eine Montage direkt an der Niedersachsenbrücke wäre nicht möglich gewesen, erklärte der bei Ardelt verantwortliche Montageingenieur Daniel Eckstein, der mit seinem Kollegen Matthias Götschke und Baustellenleiter Friedhelm Hagemann die Aktion begleitete.
Dass es bei dem Zusammenschrauben und -schweißen von hunderten Tonnen Stahl auf Millimeterarbeit ankommt, macht Eckstein an der Spurweite des Portals deutlich. Das sind 27 142 Millimeter, weiß er. Und ist sicher, das passt! Dazu gehörte das exakte Ausrichten der Hilfsgleise auf dem Hannoverkai. Bei der Montage wurden vielfach Mobilkräne eingesetzt, teilweise Typen mit 800 Tonnen Tragkraft.
Die Kranspitze ragt 72 Meter in den Himmel, bei 55 Metern Ausladung hat der Kran (in der Fachsprache: Doppellenker-Drehwippenkran) eine Hebeleistung von 63 Tonnen. Das ist der bislang größte Kran dieser Art, den wir in Eberswalde gebaut haben, sagt Eckstein. Derzeit kommen die Mehrzahl der Aufträge für das Unternehmen aus dem Ausland, die meisten aus Vietnam.
Für Rhenus Midgard bedeuten die beiden Kräne eine Investition von 13,5 Millionen Euro, erklärte Udo Düser, zuständig für technische Projektabwicklung. Erforderlich ist sie, um künftig die Kohle für das GDF Suez-Kraftwerk entladen zu können. In diesem Zusammenhang steht auch die Ertüchtigung der Brücke für die höhere Belastung und das Löschen von zu erwartenden Bulkcarriern bis zu 230 000 Tonnen.
Bislang hat Rhenus Midgard einen Brückenkran im Einsatz, der nur rechtwinklig zur Pier greifen kann. Die Drehwippenkräne sind mit ihren Auslegern flexibler und nutzen die Schienenstrecke deutlich besser aus.
Mit der Übergabe der fertigen Kräne nach der Endmontage rechnet Rhenus Midgard zwischen November und Dezember. Es folgt der Probebetrieb. Die volle Auslastung aller drei Kräne ist dann einerseits vom Abschluss des Genehmigungsverfahrens für den Schüttgutumschlag, andererseits von der Fertigstellung des Kohlekraftwerks abhängig.
