Wilhelmshaven/Hamburg - Die Wilhelmshavener Nietiedt-Gruppe ist weit über das Weser-Ems-Gebiet hinaus gewachsen. Das machte in diesen Tagen eine Veranstaltung in Hamburg deutlich: An einem prominenten Standort, quasi gegenüber den Landungsbrücken und in Sichtweite der Elbphilharmonie, wurde ein neues Oberflächentechnik-Zentrum eröffnet: „Im Herzen des Hamburger Hafens“, freut man sich bei der „Nietiedt GmbH Oberflächentechnik und Malerbetriebe“. Nachbar ist die Werft Blohm+Voss mit ihren Docks.

Auf mehr als 2200 Quadratmetern Fläche geht es um witterungsunabhängigen Korrosionsschutz und industrielle Beschichtungen, anspruchsvolle Lackier- und Strahlarbeiten für Bauteile. Rund vier Millionen Euro wurden investiert.

„Mit dem neuen Zentrum reagieren wir auf das stetige Wachstum an unserem Hamburger Standort. Im Hamburger Wirtschaftsraum wird ja bereits ein Drittel unser Wertschöpfung erbracht“, erläutert Tom Nietiedt (54), geschäftsführender Gesellschafter der Gruppe, im Gespräch mit unserer Zeitung. In Hamburg geht es etwa um hochwertigen Korrosionsschutz für Schiffsneubauten und -reparaturen im zivilen und militärischen Bereich, um Stahl- und Hochbau und Branchen rund um den Hafen, aber auch um Zulieferungen für den Motorenbau und den Rüstungssektor. „Auch bei den neuen Fregatten und Korvetten sind wir dabei“, sagte der Wilhelmshavener.

In Hamburg sollen bis zu 25 Mitarbeiter in dem neuen Komplex arbeiten, ab Sommer 2020 sollen auch zwei Auszubildende hinzukommen. Bearbeitbar sind dort Stahlteile in nahezu allen Größen. Der bisherige Hamburger Standort am „Reiherstiegdeich“ sei nicht mehr zeitgemäß gewesen, so Nietiedt.

In Anwesenheit des wirtschaftspolitischen Sprechers der Hamburger SPD, Dr. Joachim Seeler, und des Geschäftsführers der SKF Marine GmbH, Matthias Rusch, betonte Nietiedt seine Verbundenheit zu Hamburg: „Kompetenter maritimer Korrosionsschutz ist ein High-Tech-Geschäft, für das wir hier optimale Bedingungen geschaffen haben.“ Seeler betonte dass die langjährige Zusammenarbeit und Neuinvestition eines niedersächsischen Unternehmens in Hamburg die gute Zusammenarbeit der Bundesländer unterstreiche.

Was viele – auch im Oldenburger Land – nicht wissen: Nietiedt gehört zu den größten Handwerksbetrieben im Norden. Man hat bundesweit zwölf Standorte aufgebaut. Die Wilhelmshavener Gruppe hat rund 620 eigene Mitarbeiter. In diesem Jahr dürfte der Umsatz bei rund 100 Millionen Euro liegen.

In Hamburg ist das Familienunternehmen seit 2004 ansässig. In der Hansestadt wirkte man an vielen prominenten Projekten mit. Dazu zählen auch die Errichtung der Elbphilharmonie, die Hafencity oder verschiedenste Dockarbeiten, etwa auch an der „Queen Mary“. Ganze Schiffe werden eingerüstet.

Nietiedt besteht seit mehr als 80 Jahren. Ursprung war es ein Malerbetrieb, 1938 von dem Meister Arnold Nietiedt gegründet. Später kamen ein starkes Standbein im Gerüstbau und diverse weitere Dienstleistungen für die Industrie wie etwa Oberflächenschutz hinzu. So strichen Nietiedt-Mitarbeiter prominente Gebäude wie die neue LzO-Zentrale in Oldenburg, und Kollegen versahen Industriebauten wie bei VW in Emden mit Bodenbeschichtungen.

Vor Jahren übernahm Tom Nietiedt die Führung der Gruppe von seinem Vater Rüdiger (heute 77). Vor einigen Jahren entstand „Am Ölhafen“ in Wilhelmshaven eine neue Firmenzentrale.

Tom Nietiedt engagiert sich stark für die Region. So ist er etwa auch Vizepräsident der Oldenburgischen IHK.