WILHELMSHAVEN/HANNOVER/OSNABRüCK - Während die beiden Regierungschefs von Niedersachsen und Bremen Einigkeit demonstrieren, tobt in der zweiten Reihe eine gnadenlose Schlacht um Macht und Einfluss auf Europas größter Wasserbaustelle.

Gemeinsam wollen Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) dem Wilhelmshavener Jade-Weser-Port am 29. August einen Besuch abstatten, um sich über den Baufortschritt für den großen Containerhafen informieren zu lassen.

Gegenüber dieser Zeitung äußerte sich Wulff zufrieden über die Fortschritte der Bauarbeiten: „Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass dort eine Erfolgsgeschichte geschrieben wird.“ Böhrnsen unterstrich ebenfalls, dass der Wilhelmshavener Tiefwasserhafen ein „historisches Projekt für Deutschland“ sei, das auf keinen Fall Schaden nehmen dürfe. Im übrigen habe er weiter die Hoffnung, dass sich Hamburg noch an dem neuen Hafen beteilige, sagte Böhrnsen.

Unabhängig von dieser demonstrierten Einigkeit findet gleichzeitig ein erbitterter Kampf um die Macht auf der Baustelle statt. Von Schlammschlacht ist die Rede, Hafenleute sprechen von Schlickschlacht. Der Begriff ist gleichwohl fast zu verniedlichend für das tatsächliche Geschehen.

Beide Seiten schießen mit schwerem juristischen Geschütz aufeinander. Wechselseitige Strafanzeigen beschäftigen die Staatsanwaltschaft – einerseits geht es dabei um Verstöße gegen das Vergaberecht, andererseits um Verleumdung, üble Nachrede und falsche Verdächtigung. Gleichzeitig ermittelt das Landeskriminalamt im Auftrag der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes auf Korruption.


Hintergrund sind ungeklärte Vorgänge vor der Vergabe des 480-Millionen-Euro-Auftrags. Im Raum steht der Vorwurf, dass sich Bremen für den Hochtief-Konzern stark gemacht habe, der den Auftrag zunächst erhielt, später aber vor dem Oberlandesgericht in Celle gegen die konkurrierende Bunte-Gruppe unterlag.

Im Zuge des Vergabestreits wurde der technische Projektleiter Wolf-Dietmar Starke entlassen. Jetzt geht es, nachdem er seine Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht gewann, um seine Wiedereinstellung. Bremen versucht offenbar mit aller Macht, dies zu verhindern.