WILHELMSHAVEN - Stillstand ist Rückschritt. Ein Satz, der auch auf Dünen anwendbar ist: Gerade die Dynamik jüngerer Dünen sorgt dafür, dass sie als Lebensraum einer Vielzahl zum Teil gefährdeter Tier- und Pflanzenarten dienen können. Darüber diskutierten am Donnerstag auf einer von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und dem Gemeinsamen Wattenmeersekretariat organisierten trilateralen Dünenkonferenz im Nationalparkzentrum rund 50 Fachleute aus den Niederlanden, Deutschland und Dänemark.
Die Teilnehmer kamen überein, den Schutz der Dünenlebensräume als wichtigen Bestandteil des europäischen Naturschutz-Netzes Natura 2000 künftig mit Priorität zu verfolgen. Zudem setzt man sich das Ziel, gemeinsame Bewertungskriterien für zu beobachtende Entwicklungen zu finden.
Aktuelle Herausforderungen stellen unter anderem Klimaveränderungen, eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten sowie Küstenschutzanforderungen und Grundwasserabsenkungen dar. In den Niederlanden werden die Inseln zum Schutz der biologisch besonders wertvollen feuchten Dünentäler überwiegend mit Wasser vom Festland versorgt, im deutschen Wattenmeer ist dies nicht der Fall. Auf Norderney und Langeoog konnte jedoch durch technische Lösungen der negative Einfluss von Grundwasserentnahmen reduziert werden.
Auf mehr Verständnis auch bei Touristen für den Wert und das Schutzbedürfnis von Dünen hofft Dr. Elsa Nickel vom Bundesumweltministerium. Dünen seien integrale Elemente des Wattenmeersystems: „Ohne Wattenmeer keine Dünen, ohne Dünen kein Wattenmeer.“ Dabei rede man aus Sicht des Naturschutzes nicht unbedingt über große Dimensionen; schon wenige Quadratmeter mit z.B. speziellen Insektenarten hätten ihren Wert.
Die Nominierung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe unterstreiche die Leistungen zum Erhalt der Dünenlebensräume. Sie gehe davon aus, so Nickel, dass auf der Konferenz in Sevilla im Juni 2009 das Wattenmeer diesen Status erhalte. Die internationale Prüfungskommission wird in der kommenden Woche an der friesischen Küste erwartet, teilte Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung, mit.
Südbeck erklärte, dass man Naturschutz und Tourismus gleichermaßen im Blick behalte. So dürften Dünenlandschaften außerhalb der Schutzzonen durchaus betreten werden. Auf die Möglichkeiten, Dünen im unbewohnten Teil von Inseln sich selbst überlassen zu können, verwiesen u.a. niederländische Experten.
