WILHELMSHAVEN - Wer auf der Kreismitgliederversammlung der Linken Wilhelmshaven politische Inhalte erwartete, wurde enttäuscht: Obwohl die Genossinnen und Genossen viereinhalb Stunden tagten, ging es keine fünf Minuten lang um Politik. Gegenseitige Beschuldigungen, Beleidigungen und Beschimpfungen hingegen gab es reichlich.
Gegen 15.30 Uhr schlossen Landesgeschäftsführerin Maren Kaminski und Landesvorsitzender Dr. Manfred Sohn die Sitzung. Da hatten 19 Mitglieder die Versammlung längst verlassen. Der alte Vorstand war abgewählt und ein neuer, dezimierter gewählt worden.
Seit Monaten findet laut Anette Nowak, bisher im Vorstand, im Kreisverband Wilhelmshaven keine politische Arbeit mehr statt. Grund ist eine tiefe Spaltung der Partei in zwei Lager. Die eine Seite bildet der bisherige Vorstand aus Nowak, Detlef Schön, Anette Kruse-Janßen, Stephanie Sommer, Günther Hoppe, Ingrid Tholen und Helga Weinstock sowie deren Anhänger. Bei der Versammlung bestand diese Gruppe aus 19 Personen.
Auf der anderen Seite stehen u. a. die ehemaligen Vorstandsmitglieder Johann Janssen, Klaus Heckenbach, Jasmin Roos und Elisabeth Wolf. Sie stellten am Sonnabend mit 21 Personen die Mehrheit. Janssen & Co. waren von ihrem Vorstandsamt zurückgetreten, weil dort „nicht basisdemokratisch gearbeitet, sondern über den Kopf der Mitglieder hinweg“ entschieden worden sei.
Der Vorwurf, den sich beide Lager machen, ist derselbe: Mehrheitsbeschaffung mit unlauteren Mitteln. Die Riege um den bisherigen Vorstand wirft den Gegnern vor, neue Mitglieder „geimpft“ zu haben, wie abzustimmen sei. Diese Mitglieder seien hinterher nie wieder gesehen worden. Die anderen behaupten, der Vorstand habe gezielt manchen Mitgliedern den Eintritt verweigert.
Nach endlosen Diskussionen über diverse Formalien stand schließlich fest: Die Mehrheit der Versammlung entzieht dem Vorstand das Vertrauen und wählt ihn ab. Noch bevor das endgültige Wahlergebnis überhaupt verkündet wurde, verließ das „Pro-Vorstand“-Lager den Versammlungsort.
Die restlichen Genossen beschlossen, dass der neue Vorstand nur noch aus fünf statt bisher sieben Mitgliedern bestehen soll und wählten Klaus Heckenbach als Kassenwart sowie Melanie Zinn, Jasmin Roos, Elisabeth Wolf und Ralph Hermann.
Ralph Hermann hofft, als Vermittler zwischen den Fronten agieren zu können. Klaus Heckenbach wünscht sich, dass beide Lager sich aussprechen können. „Die meisten Meinungsverschiedenheiten beruhen auf Missverständnissen“, sagte er, befürchtet aber auch, dass einige Genossen aufgrund der Geschehnisse aus der Partei austreten werden.
