Wilhelmshaven - Der Zeitplan für die geplante Stromleitung von Wilhelmshaven nach England ist ehrgeizig, aber die Projektgesellschaft Neuconnect erledigt die vorbereitenden Aufgaben und ist zuversichtlich, dass die Trasse im Jahr 2023 in Betrieb gehen kann. Das sagte Dieter Krapp, Entwicklungsdirektor der Firma Frontier Power, die Neuconnect bei der Planung unterstützt. Das Projekt hat den etwas sperrigen Namen Neuconnect Interkonnektor und besteht darin, die erste direkte Stromverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien zu schaffen. Die Kosten werden auf 1,6 Milliarden Euro beziffert.

Das plant Neuconnect

Neuconnect plant das erste Stromkabel von Großbritannien nach Deutschland. Die Trasse ist 700 Kilometer lang und führt von der Themsemündung nach Wilhelmshaven. An der Themse und im Voslapper Groden entstehen Konverterstationen, die den Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln. Das Kabel verbindet den deutschen und den britischen Energiemarkt.

Die Kosten werden auf 1,6 Milliarden Euro geschätzt. Investoren sind die Fondsgesellschaft Meridiam (Frankreich), Allianz Capital Partners und Kansai Electric Power (Japan).

Damit wären erstmals zwei der größten europäischen Energiemärkte verbunden. Mittlerweile sei die Neuconnect Deutschland mit Sitz in Wilhelmshaven im Handelsregister (Amtsgericht Oldenburg) eingetragen, sagte Krapp, und Neuconnect Deutschland werde sich auch nach Büroräumen in Wilhelmshaven umschauen.

Froh sei man über den Rückenwind, den das Projekt erfahre, sagte Krapp. Da sei zum einen die Unterstützung aus der Bundes- und Landespolitik. „Wirtschaftsminister Althusmann und Umweltminister Lies unterstützen das“, sagte Krapp. Sehr positiv sei der erste Bürgerdialog verlaufen, in dem Neuconnect über das Projekt in Wilhelmshaven informiert habe. „Weitere sind geplant“, sagte Krapp.

Auch auf europäischer Ebene gibt es breite Unterstützung. Die geplante Stromtrasse passe in das System der verbundenen (Strom-)Netze. Und weil erneuerbare Energien „fluktuieren“, müsse man in europäischen Dimensionen denken. Zuständig sind die Generaldirektion für den gesamteuropäischen Energiemarkt und auf deutscher Seite Bundesnetzagentur.

Im Netzentwicklungsplan der vier großen Übertragungsnetzbetreiber ist die 700 Kilometer lange Stromleitung von Wilhelmshaven nach England enthalten und wird dort als sinnvoll bezeichnet. Die Leitung könne Überschussstrom aus erneuerbaren Energien nach Großbritannien leiten, erläuterte Krapp. Das Vereinigte Königreich importiere 7,5 bis 10 Prozent des verbrauchten Stroms. Das Geschäftsmodell der Stromtrasse: Händler mieten sich Kapazitäten an dem „Interkonnektor“, die Stromleitung, sagte Manager Krapp, sei somit gesehen nicht nur Transportmedium, sondern auch Handelsplattform. Zugleich dient das Kabel der Netzstabilität: „Der Interkonnektor verbindet zwei große Strommärkte und kann damit erheblich zur Netzstabilität in beiden Ländern beitragen“, ist Krapp überzeugt.

Die technische Seite: Neuconnect errichtet zwei Konverterstationen, eine in der Grafschaft Kent an der Themsemündung und eine weitere am Voslapper Groden (auf Wilhelmshavener Stadtgebiet, aber unmittelbar an der Gemeindegrenze zum Wangerland bei Hooksiel). Auf deutscher Seite wird ein unterirdisches Kabel zum Umspannwerk Fedderwarden verlegt. Das Seekabel hat eine Kapazität von 1,4 Gigawatt, es kann Strom in beiden Richtungen transportieren. An den Konverterstationen wird der Gleichstrom (seeseitig) in Wechselstrom umgewandelt.


Zurzeit suche man nach geeigneten Räumlichkeiten, sagte Krapp. Während der Bauphase der Konverterstation (25 Meter hoch, zehn Hektar Fläche erforderlich) werden etwa 200 Arbeitsplätze entstehen, für den Betrieb der Konverterstationen zwischen zwölf und 15 Mitarbeiter dauerhaft.

Im ersten Quartal 2020 werde man die Anträge auf Genehmigung stellen, berichtete Krapp: Auf See seien das Landesbergamt und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie zuständig, auf Land die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (Hannover) und das Gewerbeaufsichtsamt in Oldenburg. Er rechne mit einem Genehmigungszeitraum von neun bis zwölf Monaten. Die Finanzierung durch Banken werde noch einmal drei Monate in Anspruch nehmen, die Bauzeit zwei bis zweieinhalb Jahre, Ende 2023 könnte der Probebetrieb erfolgen.

Der Brexit, so Manager Krapp, habe keine Auswirkung auf das Projekt. Selbst bei einem Ausstieg ohne Vertrag mit der EU werde es bald einen Vertrag zur gemeinsamen Stromversorgung geben.

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