WILHELMSHAVEN/NORDEN - Etwas mehr als zwei Jahre ist es inzwischen her, dass Wolf-Dietmar Starke plötzlich in die Schlagzeilen geriet. Knall auf Fall war der Wasserbau-Ingenieur damals von seiner Aufgabe als technischer Projektleiter des Wilhelmshavener Tiefwasser-Containerhafens Jade-Weser-Port abgelöst worden. Diesen Tag wird er sein Leben lang nicht vergessen: Es war der Geburtstag des Sohnes, als man ihm mitteilte, dass er fristlos entlassen sei.

„Zu große Nähe“ zu einem der Bewerber um den 480-Millionen-Euro-Bauauftrag war ihm damals nachgesagt worden. Ein Vorwurf, der den für das Wilhelmshavener Hafenprojekt beurlaubten Beamten tief traf – schließlich sollte damit ausgedrückt werden, er sei nicht mehr unbefangen gewesen in dem harten Wettbewerb um die Auftragsvergabe, vielleicht sei er sogar gekauft worden. Das Wort Korruption fiel gelegentlich, wenn auch hinter vorgehaltener Hand.

Kein Nachtreten

Inzwischen ist Starke juristisch rehabilitiert, hat den Rechtsstreit um seinen Rauswurf ohne jeden Abstrich gewonnen und ist mit einer angemessenen Abfindung entschädigt worden. Eigentlich könnte dann jetzt alles gut sein – und entsprechende Anfragen beantwortet er auch sehr diszipliniert. Er versucht, seine Stimme gleichmütig klingen zu lassen, nachzutreten ist seine Sache nicht.

Wer Starke jedoch kennt, spürt deutlich, wie kräftig es immer noch in ihm brodelt, wenn es um das Thema Jade-Weser-Port geht. Der „Jade-Port“ lässt ihn immer noch nicht völlig los. Schließlich war er der Erste, der auf die Schwächen in dem Angebot des Baukonzerns Hochtief hinwies – nämlich die Fehler, die später vor dem Oberlandesgericht Celle dazu führten, dass die mittelständische Unternehmensgruppe um das Papenburger Bauunternehmen Johann Bunte den Großauftrag erhielt.


Das wollten die Bremer Vertreter in der niedersächsisch-bremischen Realisierungsgesellschaft jedoch nicht wahrhaben. Es folgte eine schmutzige Schlacht, in der nicht nur die mittelständischen Bewerber als „Torfstecher aus dem Emsland“ diffamiert, sondern auch jede Menge juristische Tricks eingesetzt wurden. Noch heute verfolgen drei Bremer Hafenmanager Starke mit zivilrechtlichen Klagen, haben allerdings bereits sowohl vor dem Landgericht Aurich als auch vor dem Oberlandesgericht Oldenburg verloren.

Wie im Bereich der Bremer Häfen Aufträge vergeben würden, so Starke, lasse sich übrigens im Jahresbericht des Bremer Landesrechnungshofes nachlesen, wo beispielsweise erhebliche Kritik an der Vergabe des 200-Millionen-Euro-Auftrags für den Neubau der Kaiserschleuse Bremerhaven geübt werde. Starke: „Das kam mir alles sehr bekannt vor.“

Als Berater tätig

Der im ostfriesischen Norden (Landkreis Aurich) lebende Wasserbauer beschäftigt sich inzwischen nicht mehr mit dem vor Wilhelmshaven wachsenden Hafen. Im Sommer wird er allerdings die Baustelle besichtigen, nachdem er sie im vergangenen Herbst im Rahmen einer Ingenieurstagung bereits von der Wasserseite aus gesehen hat.

Starke, der sich bis zum beginnenden Ruhestand im Frühjahr 2010 als Beamter hat beurlauben lassen, ist als freiberuflicher Berater für mittelständische Unternehmen an der Ems tätig – dort, wo er bereits für den Bau des großen Sperrwerks bei Gandersum verantwortlich war.

Fragen und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Zukunft der Ems werden den leidenschaftlichen Ingenieur möglicherweise noch über seinen Ruhestandstermin hinaus begleiten. So beschäftigt er sich intensiv mit der Problematik der Verschlickung des Flusses. Die Überlegung, mittels einer Schwelle und zusätzlicher Schleuse in Höhe des Emssperrwerks den Schlick zu stoppen und auf diese Weise die jährlichen elf Millionen Euro Baggerkosten zu senken, sieht er sehr kritisch. Diese Lösung sei ein zu gravierender Eingriff in die natürlichen Tidenverhältnisse.

Auch wenn er keine offiziellen Aufgaben mehr hat – der Wasserbauer Wolf-Dietmar Starke beteiligt sich weiter. Und wenn der Wilhelmshavener Jade-Weser-Port im Jahr 2011 in Betrieb geht, wird er vielleicht nicht auf der Prominenten-Gästeliste stehen – viele wissen jedoch, welche wichtige Rolle er im Vorfeld der Realisierung gespielt hat.

NWZ-Spezial: Informationen, Bilder und Videos zum Jade-Weser-Port, dem Jadeport, Jadebay und dem JadeWeserPark.