WILHELMSHAVEN - 10 613 Portionen Labskaus hätten am Sonnabend verkauft werden müssen. Dann hätte Wilhelmshaven beim 11. größten Labskausessen der Welt einen neuen Weltrekord aufgestellt. Andreas Jacobs, stellvertretender Vorsitzender des City -Interessen-Vereins, konnte am Abend aber nur einen kleinen Erfolg vermelden. Ein neuer Weltrekord wurde nicht erreicht, denn die Gäste des Labskausessens hatten zwischen 10.30 und 18 Uhr nur 8220 Portionen gegessen. „Das ist aber zumindest ein „Schietwetter-Rekord“, sagte Jacobs.

Trotz Temperaturen um die 13 Grad, unzähligen Regengüssen und starkem Wind fanden erstaunlich viele Menschen den Weg in Wilhelmshavens Innenstadt. So waren die Labskaus-Stände, die überdachte Tische anbieten konnten, denn auch die „Gewinner“ der Veranstaltung. Denn der Großteil der Besucher flüchtete vor dem Wetter in die Nordseepassage oder in andere überdachte Nischen. Am frühen Nachmittag waren die ersten Stände dort dann auch bereits ausverkauft.

Die langen Tischreihen auf der Rambla oder in der Grenzstraße blieben hingegen weitestgehend leer. Die vielen Shantychöre und das Duo Irmi & Freddy hatten es „Tief Otto“ zu verdanken, dass sie am Sonnabend nur vor wenig Publikum auftreten konnten.

Deutlich mehr Zuhörer hatte die Jazz-Combo „Die Vier“, die vor der Bekanntgabe des Endergebnisses und der Preisverleihung auf der Rambla spielte. Hunderte Menschen waren gekommen. Denn mit den Labskaustellern hatten die Gastronomen erstmals auch Lose für eine Tombola ausgegeben. Der Hauptpreis war ein E-Bike.

Den Labskaus-Orden für besondere Verdienste rund um das größte Labskausessen der Welt verlieh Oberbürgermeister Eberhard Menzel an Staabsbootsmann Bernhard Breuer. Er ist der Proviantmeister der Truppenküche der Marine. Menzel selbst erhielt einen Ehren-Labskaus-Orden.


Drei Portionen pro Person hatten Oberbürgermeister Eberhard Menzel und Andreas Jacobs empfohlen. „Drei Mal Labskaus, das sind rund 900 Kalorien. Das entspricht dem empfohlenen Tagesbedarf“, versuchte Jacobs das Hungergefühl der Besucher anzuregen.

Roland Mühlbach folgte der „Anweisung“ und ließ sich drei Portionen einpacken. Jedoch wolle er die nicht alleine essen. „Ich bekomme Besuch aus Recklinghausen. Bis dahin friere ich das ein“, erklärte er.

Schon kurz nach der Eröffnung um 10.30 Uhr bildete sich eine Schlange am Stand der Marine auf der Rambla. Auch Hannelore und Axel Bluhm stellten sich dort an. „Für uns ist das Labskausessen ein Muss. Die Uhrzeit spielt keine Rolle“, sagten die Hooksieler. Und auch der einsetzende Regen änderte nichts an ihrer guten Laune. Kurzerhand spannte Hannelore Bluhm einen Schirm auf. Darunter fand auch Ursula Schön noch Platz und so sorgte das Labskausessen auch für „interkommunale Völkerverständigung“ – die Wangerländer und die Jadestädterin kannten sich vorher nicht.

Zwar war der Andrang bei den Gastronomen in der Nordseepassage wegen des schlechten Wetters besonders groß, allgemein hat aber jeder der zwölf teilnehmenden Betriebe seine Stammkunden. So kommen zum Beispiel Helga und Wolfgang Epding immer zu Leffers, Heinz Thormälen, Christa Steffan und Elfriede Haasche-Hoffmann schwören auf den Stand von Ralf Patron und Hannelore und Heinz Tapkenhinrichs essen jedes Jahr das Labskaus vom Hotel Kaiser. Alle behaupten von „ihrem“ Gastronom: „Hier schmeckt es einfach am besten.“

Reißenden Absatz fand auch die vegetarische Labskaus-Variante des Reformhauses Ebken. Statt Fleisch hat Koch Werner Thomae Räuchertofu verwendet. Im kommenden Jahr muss er mehr davon kochen. Seine 90 Portionen waren um 12.30 Uhr restlos ausverkauft.

Kristin Hilbinger
Kristin Hilbinger Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt