Wilhelmshaven - Der Energiekonzern Uniper muss seine Pläne für das Projekt „LNG Terminal Wilhelmshaven“ überarbeiten. Wie Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) auf Anfrage der „Wilhelmshavener Zeitung“ bestätigte, lässt ein Borstenwurm-Biotop in direkter Nähe zum geplanten Liegeplatz für das schwimmende Terminal (Floating Storage and Regasification Unit/FRSU) an der Ineos-Brücke nur bedingt zu. LNG steht für Liquefied Natural Gas, also Flüssigerdgas.
„Die Genehmigung für das Projekt an dieser Stelle ist möglich, wäre aber mit hohem Aufwand verbunden“, sagt Lies. Er sei aber zuversichtlich, dass Uniper bereits an einer Alternative arbeitet. Nach Informationen des NDR soll es sich bei der Alternative um einen der Brücke vorgelagerten Inselanleger handeln, an dem die schwimmende Regasifizierungsanlage und die Flüssigerdgas-Tankschiffe festmachen könnten. Von dort würde das in flüssiger Form angelieferte Erdgas in gasförmigem Zustand über eine Pipeline an Land geleitet.
Ein Sprecher des Uniper-Konzerns verweist auf das laufende Genehmigungsverfahren. Die Uniper-Tochtergesellschaft LTW (LNG Terminal Wilhelmshaven GmbH) plane unverändert eine LNG-Regasifizierungsanlage mit einer Kapazität von bis zu zehn Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Dass sich auf dem Meeresgrund am Anleger ein Biotop befinde, sei seit dem vergangenen Jahr bekannt. Nach der Bewertung der Untersuchungsergebnisse bestehe zwischen der LTW als Antragstellerin, Landesbehörden und Fachgutachtern Konsens darüber, dass es sich um ein durch das Bundesnaturschutzgesetz geschütztes Biotop handle.
„Momentan läuft die Prüfung, in welcher Weise das Terminal im Einklang mit den umwelttechnischen Vorschriften realisiert werden kann“, teilt ein Uniper-Sprecher mit. Die Suche nach Maßnahmen, wie Beeinträchtigungen minimiert werden können, laufe noch. Welche Auswirkungen das Biotop auf den Zeitplan für das LNG-Projekt hat, sei noch nicht abzusehen. „Wir sind zuversichtlich, eine gute Lösung zu finden, die den umwelttechnischen und sonstigen Anforderungen gerecht wird – und gleichzeitig dieses für die Stadt, die Region und Deutschland so wichtige Terminalprojekt voranbringt“, beteuert der Uniper-Sprecher.
Das geplante LNG-Terminal ist nach Ansicht von Umweltminister Lies ein wichtiger Baustein der Energiewende. Flüssigerdgas werde nach dem Ausstieg aus der Atomkraft und der Kohleverstromung für eine Übergangszeit benötigt. Die von Uniper geplante Infrastruktur könne zudem langfristig auch für den Import von klimaneutralem synthetischem Gas genutzt werden. Kritiker wenden ein, dass LNG ein fossiler Brennstoff sei. Das Erdgas dafür werde in den USA durch die umstrittene Fracking-Methode gewonnen.
Ob aber jemals LNG aus den USA zur Jade gelangt, ist ungewiss. Uniper verweist darauf, dass die endgültige Investitionsentscheidung für den Bau des Terminals neben dem Genehmigungsverfahren auch von ausreichender Nachfrage nach LNG und der wirtschaftlichen Machbarkeit abhängt. Die Gespräche über die Vermarktung der Importkapazitäten liefen noch.
Fachleute warnen laut Düsseldorfer „Handelsblatt“ mit Verweis auf eine Studie der Umweltschutzorganisation Global Energy Monitor (GEM) vor einer Überversorgung am Gasmarkt. Die Corona-Pandemie habe die Nachfrage einstürzen lassen. Hinzu käme, dass erneuerbare Energien immer günstiger würden. Der globale LNG-Markt sei übersättigt.
