Oldenburg - Beate Anneken strahlt. Der künstlerischen Leiterin der Werkschule ist die Freude über die neue Wirkungsstätte in der Rosenstraße 41 sichtlich anzumerken. „Unser neues Domizil ist ein Glücksfall“, frohlockt Anneken. „Wir haben hier tolle Räumlichkeiten gefunden, die unsere Möglichkeiten enorm verbessern“, schwärmt die Leiterin. 700 Quadratmeter Werkstatt- und Ausstellungsfläche – verteilt auf lichtdurchflutete vier Stockwerke – in Bahnhofsnähe und in kollegialer Nachbarschaft zu den Mitstreitern der freien Kulturszene zeichnen das neue Haus aus, das jetzt als „Kunstforum“ firmiert.
Dabei hatte die neue Ära, so Anneken, mit einem „Schock“ begonnen. Rückblende: Im Sommer 2013 erfuhr die Werkschule, dass die alte Schule auf dem Gelände des Schulzentrums Flötenteich, in der die Werkschule seit 25 Jahren ihren Sitz hatte, abgängig ist, wie es im Fachjargon heißt. Die wegen des kargen Angebots auf dem Immobilienmarkt fast aussichtslose Suche nach Alternativen fand im Herbst 2014 ein Ende – dank des Engagements von Detlef und Constanze Schmidt, die seit langem Förderer der Werkschule sind. Sie erwarben das vormals von einer Planungsgesellschaft genutzte Bürogebäude an der Rosenstraße und vermieteten es an die Werkschule.
Mit erheblicher Eigenleistung wurden in kürzester Zeit Wände beseitigt, Teppichböden entfernt, Fußböden abgeschliffen, Estrich gelegt und gestrichen, Wände verputzt und geweißt. „Hier bewährte sich, dass bildende Künstler gemeinhin über umfassende handwerkliche Grundlagen verfügen und vor keiner Herausforderung zurückschrecken“, blickt Geschäftsführer Wolfgang Heppner zurück.
Bereits Mitte Oktober 2015 fand der Umzug statt. Am 2. November begann der Kursbetrieb in den neuen Räumen. Am 9./10. Januar ist nun die Öffentlichkeit eingeladen, das fertiggestellte Domizil zu erkunden. Eine umfangreiche „Auftakt“-Ausstellung und ein Begleitprogramm bieten zahlreiche Gelegenheiten, das neue Haus kennenzulernen.
Ihre neue Wirkungsstätte versteht die Werkschule, die für 2016 einen städtischen Zuschuss in Höhe von rund 162 000 Euro erhält, nicht nur als Kunstforum, sondern auch als Ort der Bildung und Kommunikation. „Wir wollen ein offenes Haus mit Diskussionen, Vorträgen und Begegnungen sein“, betont Hepp-ner. Das Angebot soll ausgedehnt werden, um die Teilnehmerzahlen (bisher rund 220 pro Woche) zu steigern und verstärkt jüngere Menschen anzusprechen.
Voraussichtlich im März soll ein Kunstprojekt mit Gebrauchskeramiken starten, an dem Flüchtlinge im Alter von 18 bis 24 Jahren ohne Schulabschluss teilnehmen werden. Dabei wird es neben Sprach- auch um Kulturvermittlung gehen. Beate Anneken nennt als Beispiel: „Teezeremonien in Ostfriesland und Afghanistan unterscheiden sich eben grundlegend.“
