Wardenburg - Die Bürgerinitiative „Zwei Wardenburger Windparks sind genug“ unterstützt die Forderung des Vereins „100 Prozent Wardenburg“ nach verlässlichen Zahlen zum aktuellen Stromverbrauch in der Gemeinde Wardenburg. Nur wenn belastbare Zahlen über Erzeugung erneuerbarer Energie und Gesamtverbrauch vorlägen, könne über Sinn und Unsinn weiterer Windparkprojekte und anderer Investitionen geurteilt werden, betont der Sprecher der Bürgerinitiative Nils Naumann.
Doch damit enden vorerst auch die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden, von Privatleuten ins Leben gerufenen Initiativen. „100 Prozent Wardenburg“ geht davon ausgeht, dass die Selbstversorgung mit regenerativer Energie in der Gemeinde noch unter der 80 Prozentmarke liegt und spricht sich deshalb für den Bau eines dritten Windparks im Bereich zwischen Benthullen und Westerholt aus.
Die Bürgerinitiative „Zwei Wardenburger Windparks sind genug“ kommt dagegen nach eigenen Berechnungen auf eine viel höhere Quote, betont deren zweiter Sprecher Andreas Bochmann. „100 Prozent Wardenburg“ habe es offensichtlich mindestens in einem Fall versäumt, die Einspeiseleistung korrekt aufs ganze Jahr hochzurechnen. „Wir haben unsere Berechnung auf der Grundlage von Energy-Map und der EWE-Daten für 2011 aufgestellt. Mit den zusätzlichen Windkraftanlagen in Charlottendorf-West (etwa 21 000 000 Kilowattstunden Einspeiseleistung) und der noch offenen siebten Windkraftanlage in Westerburg (etwa 6 569 973 kWh) besitzt Wardenburg eine weit über 100 Prozent liegende regenerative Stromerzeugung.“ Mit großer Sicherheit werde diese Quote in Wirklichkeit sogar noch größer, weil der zwischenzeitliche Zuwachs bei der Biostrom- und Solarstromerzeugung darin noch nicht erfasst sei, so Bochmann weiter.
Die Gegner eines dritten Windparks halten den von Energy-Map veröffentlichten Stromverbrauch in der Gemeinde Wardenburg (angeblich 117 223 Megawattstunden Strom) für zu hoch gegriffen. Die Windparkgegner schätzen den wirklichen Energiebedarf auf dem Gebiet der Gemeinde Wardenburg viel niedriger ein. Läge man für die etwa 7500 Haushalte einen Durchschnittsverbrauch von jeweils 3500 kWh im Jahr zu Grunde, sei ein Gesamtverbrauch von 26 250 MWh zu erwarten. „Wer bitteschön soll die restlichen 90 973 Megawattstunden verbrauchen?“ fragen Bochmann und Naumann. Hinter Energy-Map steckt die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie, die sich nach eigenen Angaben eine Veränderung der Energiewirtschaft hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise zum Ziel gesetzt hat.
Stefan Thate, Sprecher von „100 Prozent“, verteidigt dagegen die Forderung nach einem Windpark: „Es gibt unterschiedliche Berechnungsmethoden, wir halten uns, an die veröffentlichten offiziellen Zahlen und sehen vom Hochrechnen der Ist-Zahlen ab.“ Eine wirklich solide Einschätzung sei nur möglich, wenn alle Zahlen für Wardenburg auf den Tisch kommen. „Hier ist die Gemeinde gefordert“, meint Thate.
